Joana Wittler freut sich, ihr Wissen bald an Auszubildende weitergeben zu können.
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Joana Wittler freut sich, ihr Wissen bald an Auszubildende weitergeben zu können.

Profis in luftiger Höhe

19 Dachdecker bestehen Meisterprüfung

06. November 2020

Rund 50.000 Dachdeckern in Deutschland verdanken wir unser Dach über dem Kopf. Ob Ziegel, Schiefer, Schindel oder Platten - Sie sind die Allround-Experten für Dach-, Wand-, und Abdichtungstechnik und machen unsere Häuser wind- und wetterfest. 19 von ihnen haben sich kürzlich in Waldkirchen zum Meister weitergebildet. Dort bietet das Kompetenzzentrum Dachtechnik in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz und dem Landesinnungsverband des Dachdeckerhandwerks den bayernweit einzigen Meisterkurs an.

Zweimonatige Kursunterbrechung durch Corona

In 1.176 Unterrichtsstunden bereiteten sich die Teilnehmer seit Januar in Vollzeit auf die Meisterprüfung vor. Eine unvorhersehbare Herausforderung war, dass der Kurs durch die Corona-Pandemie fast zwei Monate pausieren musste. Doch die Prüflinge zeigten sich flexibel und meisterten ihre Weiterbildung trotz Unterbrechung und anschließenden strengen Hygienemaßnahmen. Im Theorieteil widmeten sie sich der Bemessung von Dachstühlen, Auftragsabwicklung, Fachkalkulation, Arbeitssicherheit, Betriebsorganisation, Materialkunde sowie Regelwerken und Verordnungen. In der Praxis verbesserten die Teilnehmer ihr Können bei verschiedensten Abdichtungs- und Deckungsarten, wie etwa der komplizierten Schieferdeckung.

Umfangreiches Fachwissen gefordert

Der stellvertretende Ausbildungsleiter am Kompetenzzentrum Alfons Hartl hob den hohen Anspruch an die jungen Meister hervor: "Dachdecker ist ein umfangreiches Berufsbild, es gibt unglaublich viele Materialien, viele verschiedene Techniken sowie Abdichtungs- und Deckungsarten." Neben großem Fachwissen brauchen Dachdecker daher ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und eine große Portion Flexibilität, um Probleme auf der Baustelle spontan und fachgerecht lösen zu können, erklärte Hartl. Dass die Prüfungsanforderungen hoch sind, bestätigte auch der Vorsitzende des Prüfungsausschusses Lothar Fuchs: "Die Teilnehmer müssen zeigen, dass sie sowohl technisch und handwerklich als auch betriebswirtschaftlich fit sind. Schließlich sollen sie anschließend in der Lage sein, Führungspositionen oder die Leitung eines eigenen Betriebes zu übernehmen."

Kursteilnehmer aus ganz Bayern

Als praktische Meisterprüfungsarbeit erstellten die Prüflinge eine Dachdeckung mit Schiefer oder Dachziegeln inklusive Planung, Kalkulation und Dokumentation. In einer Situationsaufgabe zeigten sie abschließend ihre handwerkliche Vielseitigkeit. Thomas Bernhardt aus Kelheim meisterte diese Aufgaben mit Bravour. Dass der 42-Jährige beruflichen Ehrgeiz hat, zeigt sich auch daran, dass er bereits in verschiedenen Dachdeckereien, Zimmerer- und Spenglerbetrieben Erfahrungen gesammelt hat. Um seine "berufliche Neugier zu befriedigen", wie er sagt. Genau diese Abwechslung und das Arbeiten an der frischen Luft schätzt Bernhardt an seinem Beruf. Für die Zukunft plant er, sich schrittweise selbstständig zu machen. Joana Wittler war die einzige Frau im Meisterkurs. Die 30-Jährige aus Puchheim im Landkreis Fürstenfeldbruck hatte seit Beginn ihrer Ausbildung den großen Traum, Meisterin zu werden. Auch sie liebt die Vielseitigkeit an ihren Beruf und die Tatsache, dass man nie auslernt. Künftig möchte sie ihr Wissen an Auszubildende weitergeben.


Der nächste Meisterkurs zum Dachdecker findet von Januar bis August 2022 in Waldkirchen statt. Nähere Informationen unter www.hwkno-bildung.de.

Ansprechpartner

Lothar Fuchs
Referent Liegenschaftsverwaltung

Tel. 0851 5301-232
Fax 0851 5301-281232
lothar.fuchs--at--hwkno.de



Thomas Bernhardt aus Kelheim möchte sich mit seinem Meistertitel selbstständig machen.
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Thomas Bernhardt aus Kelheim möchte sich mit seinem Meistertitel selbstständig machen.