Das Corona-Virus führt zu geschlossenen Grenzen innerhalb Europas. So auch zwischen Ostbayern und Tschechien und mit Konsequenzen für den grenzübergreifenden Wirtschaftsraum.
Ananass- stock.adobe.com
Das Corona-Virus führt zu geschlossenen Grenzen innerhalb Europas. So auch zwischen Ostbayern und Tschechien und mit Konsequenzen für den grenzübergreifenden Wirtschaftsraum.

Hürden für Grenzpendler

Corona blockiert grenzüberschreitendes Wirtschaften, auch Handwerksbetriebe betroffen.

Im Zuge der Corona-Pandemie sind viele innereuropäische Grenzen geschlossen worden, um die Ausbreitung des Virus zu reduzieren. Ebenso zwischen Tschechien und Deutschland.  Wie in vielen EU-Ländern gilt auch für die beiden Nachbarstaaten: Wer einreist, muss sich für 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben. (Stand: 14.04.) Ausnahmen gibt es, allerdings ändern sich die Bestimmungen alle paar Tage, was Berufspendler, die tagtäglich für den Weg zu ihrem Arbeitsplatz die Grenze passieren müssen, vor große Herausforderungen stellt. Betriebe und ihre Angestellten müssen sich laufend informieren und sich spontan auf neue Vorgaben einstellen. Insbesondere Tagespendler ohne Wohnsitz im Nachbarland stellen die Regelungen auf eine harte Probe, auch im Hinblick auf geschlossene Hotels und Pensionen. Außerdem: Wer zahlt für den Arbeitsausfall? Viele ostbayerische Betriebe, quer durch alle Branchen, leiden unter dem fehlendem Fachpersonal aus Tschechien. Immerhin arbeiten im ostbayerischen Grenzraum rund 22.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aus Tschechien. Die Folgen sind spürbar: Zum Teil stehen Baustellen still, weil Personal fehlt, andere Betriebe müssen ihre Produktion zurückfahren oder verbliebene Kollegen das Arbeitspensum kompensieren. Die Folgen schätzt Jürgen Kilger, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, so ein: "Das gemeinsame Wirtschaften steht quasi auf dem Spiel und das in einer Region, die in den letzten Jahrzehnten zu einem eng verzahnten Wirtschaftsraum zusammengewachsen ist. Wir gehen zwar davon aus, dass das nur temporär ist, aber auch eine begrenzte Trennung kann tiefe Spuren hinterlassen."

Erfahrungsberichte aus der Praxis zeigen Probleme auf

Wie sich die Grenzschließung im Arbeitsalttag äußert und vor welchen Herausforderungen er steht, berichtet Johannes Groß, Geschäftsführer des gleichnamigen Fenster- und Türenbaubetriebs aus dem niederbayerischen Salzweg im Landkreis Passau, dessen Belegschaft insgesamt 65 Mitarbeiter umfasst. Davon betroffen: Zwölf tschechische Kollegen, denen seit Ende März das tägliche Pendeln untersagt ist. "Die Grenzschließungen haben uns im wahrsten Sinne des Wortes eiskalt erwischt", berichtet Johannes Groß. Im Schnellverfahren habe er daraufhin umdisponieren und entscheiden müssen, welche Mitarbeiter im Moment dringend gebraucht werden, um den Notbetrieb aufrechtzuerhalten. "Wie jeder Betriebsinhaber habe ich eine große Verantwortung für meine Leute." Krisen-Management beschreibt Groß im Moment als tägliche Mammut-Aufgabe: "Nachdem die neuen Regelungen bekannt gegeben wurden, habe ich den Hörer in die Hand genommen und schnellstmöglich alle Pensionen in der Umgebung abgeklappert, um meine Mitarbeiter während ihres Arbeitsaufenthalts hier gut unterbringen zu können." Die Kosten für die Unterbringung übernimmt die Firma selbst. "Sowas kann sich natürlich nicht jeder Betrieb leisten", so der Unternehmer. "Wir haben genau durchkalkuliert, ob sich das wirtschaftlich rechnet. Mal abgesehen davon, dass nicht jeder tschechische Kollege mehrere Wochen von zuhause wegbleiben kann, da er beispielsweise Kinder betreuen oder Angehörige pflegen muss."

Individuelle Lösungen für grenzübergreifendes Arbeiten nötig

Und doch sieht Johannes Groß die größte Herausforderung nicht zwingend im mehrwöchigen Arbeitseinsatz fernab der Heimat. Vielmehr vermutet er das Problem in der Zeit danach: Zwar dürfe man die zweiwöchige häusliche Quarantäne in seinem Heimatland mit der Familie verbringen, aber was, wenn der Partner ebenfalls berufstätig ist, sich gegebenenfalls keinen bezahlten Urlaub nehmen kann und sich unbezahlt freistellen lassen muss? In diesem Fall würden zwei Einkommen wegfallen, denn bislang haben Arbeitnehmer in der Quarantäne-Zeit weder einen gesetzlichen Anspruch auf Lohnfortzahlung noch erhalten sie staatliche Ausgleichszahlungen. "Wir haben es aktuell so geregelt, dass der jeweilige tschechische Kollege während seines Arbeitseinsatzes Überstunden aufbaut, die er dann zuhause in der Quarantäne wieder abbaut." Eine Dauerlösung sei das allerdings nicht. Groß Forderung von der Politik: "Nicht nur an die Industrie denken. Wir Handwerksbetriebe sind der Anker im ländlichen Raum. Wir schaffen Arbeitsplätze und versorgen die Region mit dringend benötigten Waren. Das muss auch weiterhin so bleiben." Sein Appell: Bayern und Tschechien sollten sich aufgrund ihrer engen wirtschaftlichen Verzahnung eine bessere Lösung für das grenzübergreifende Arbeiten in der Corona-Krise überlegen. So gehören laut Groß die Grenzen für Berufspendler wieder geöffnet: "Sonst leidet die Wirtschaft auf Dauer zu sehr. Im Gegenzug sind wir bereit strenge Hygienevorschriften zu erfüllen." So gilt bereits seit längerem für die ganze Belegschaft der Firma Groß eine strikte Mundschutz-Pflicht. Sollten die Staaten an den Grenzschließungen festhalten, wäre laut Groß ein finanzieller Ausgleich wünschenswert, wie es bereits in Sachsen gehandhabt wird. "Dort zahlt der Freistaat einen Zuschuss für die Unterbringung von Mitarbeitern sowie eine Verpflegungspauschale. Zwar gilt dies bislang nur für Angestellte im Gesundheitswesen, aber uns Handwerksbetrieben mit ausländischer Belegschaft wäre mit solchen Zuschüssen schon sehr geholfen."

Schneider Ingrid Fotowerkstatt Gahr
Ditthornstraße 10
93055 Regensburg
Tel. 0941 7965-218
Fax 0941 7965-169
ingrid.schneider--at--hwkno.de

Wierer Katharina Fotowerkstatt Gahr

Katharina Wierer

Abteilungsleiterin

Ditthornstraße 10
93055 Regensburg
Tel. 0941 7965-217
Fax 0941 7965-281217
katharina.wierer--at--hwkno.de