Der Brexit steht vor der Tür - die unklare Zukunft bereitet auch Ostbayerns Handwerkern Sorge.
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Der Brexit steht vor der Tür - die unklare Zukunft bereitet auch Ostbayerns Handwerkern Sorge.

Brexit betrifft auch das ostbayerische Handwerk

Unklare Zukunft Großbritanniens bereitet Handwerkern Sorge - Aufträge können nur schwer geplant werden

Die Wirrungen um den Brexit nehmen kein Ende: Zunächst hatten das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland konsequent am 29. März als Austrittsdatum aus der Europäischen Union festgehalten. Nun steht am 12. März der Deal mit der EU im Parlament wieder zur Abstimmung. Sollte er erneut durchfallen, wird über einen "harten" Brexit oder eine Fristverlängerung entschieden. Wie es weitergeht, ist aktuell unklar. Die deutsche Wirtschaft beobachtet die laufenden Verhandlungen mit Sorge, auch das ostbayerische Handwerk ist betroffen.

Die Wolf System GmbH aus Osterhofen im Landkreis Deggendorf besitzt beispielsweise eine Niederlassung mit 60 Mitarbeitern in der englischen Industriestadt Coventry. Größere Behälterbauaufträge werden auch aktuell schon über die Hauptfirmen in Deutschland und Österreich abgewickelt. "In dieser Sparte sind wir es gewohnt, dass starke Schwankungen, auch kurzfristig in wenigen Jahren, stattfinden. Hier ist ein möglicher Wegfall des englischen Marktes zwar bedauerlich, aber nicht kritisch für die Gesamtentwicklung unserer Gruppe", berichtet Heinz Stadler, Gesellschafter und Sohn des Geschäftsführers Michael Stadler. Anders sehe es beim Vertrieb von Nagelplatten und Serviceleistungen im Bereich Holzbau aus. "Speziell unsere Kunden aus Irland sind beunruhigt. Lieferverzögerungen und Zölle könnten maßgebend Einfluss auf deren Geschäfte haben", so Stadler weiter. Deswegen habe die Wolf System GmbH bereits alternative Belieferungskonzepte aus dem EU-Ausland geprüft und vorbereitet. In der Sparte Behälterbau sehe Stadler aktuell kaum Wege, sich an die deutlich verschlechterten Voraussetzungen, die der Brexit mit sich bringt, anzupassen: "Hier werden wir uns in Zukunft vermutlich auf andere Märkte fokussieren."

Heinz Stadler, Gesellschafter der Wolf System GmbH.
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Heinz Stadler, Gesellschafter der Wolf System GmbH.

Möglicher No-Deal-Brexit hemmt Arbeiten

Weniger Möglichkeiten sich auf den Brexit vorzubereiten, hat die Albert Sperber GmbH & Co. KG aus Windischeschenbach im Oberpfälzer Landkreis Neustadt an der Waldnaab. Der Betrieb hat keine Niederlassung in Großbritannien, sondern entsendet für alle Projekte Mitarbeiter aus Deutschland. "Keiner weiß, was kommt", beklagt Geschäftsführer Andreas Sperber, "daher kann ich natürlich auch keine Vorbereitungen treffen." Besonders die Themen Arbeitserlaubnis und Arbeitnehmerentsendung fordern ihn aktuell. Ein No-Deal-Brexit wäre das schlimmste Szenario. "Wir sollen Anfang April einen Auftrag in London beginnen und wissen nicht, wie wir ihn organisieren sollen", berichtet der Dachdecker- und Spenglermeister.

Andreas Sperber, Geschäftsführer der Albert Sperber GmbH & Co. KG.
Privat
Andreas Sperber, Geschäftsführer der Albert Sperber GmbH & Co. KG.

Zukunft ist noch unklar, viele Fragen sind offen

Unter welchen Voraussetzungen dürfen die Mitarbeiter einreisen? Welche Genehmigungen sind notwendig? Entstehen lange Wartezeiten bei der Zollabwicklung? Diese und ähnliche Fragen beschäftigen Sperber ebenso wie Stadler derzeit am meisten. Dennoch scheide Großbritannien für beide Unternehmen als Markt derzeitigen Einschätzungen nach nicht komplett aus. "Wir beobachten die aktuellen Verhandlungen mit Sorge und Ungewissheit", gibt Stadler zu. Allerdings gehe er davon aus, dass die indirekten Auswirkungen auf die gesamteuropäische Wirtschaft ihn stärker belasten werden als der direkte Ausfall einzelner Aufträge. Sperber rechnet damit, dass bereits geplante Projekte umgesetzt werden. Auch könne er sich vorstellen, dass sich im Laufe dieser Zeit eine gewisse Stabilität entwickeln könnte.

Wie genau der Brexit ablaufen wird, ist zum momentanen Zeitpunkt noch unklar. Es bleibt offen, ob es eine Übergangsphase geben wird, oder ob es tatsächlich zum No-Deal-Brexit kommt. Handwerksbetriebe, die in Großbritannien und Nordirland arbeiten, müssen sich daher auf verschiedene Szenarien vorbereiten.

Informationen

Sie benötigen eine Beratung zum Thema Brexit? Melden Sie sich gerne bei der Außenwirtschaftsberatung der Handwerkskammer.



 Ansprechpartner

Katharina Wierer
Abteilungsleiterin

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