Hat lange an seinem Meisterstück, einer Ballschussmaschine, getüftelt – und damit einen Volltreffer gelandet: Feinwerkmechanikermeister Markus Raab.
Im GesprächWenn der Schritt ins Handwerk zum Volltreffer wird
Markus Raab steht in der Halle 7 der Maschinenbau Stahl GmbH & Co. KG in Perkam im Landkreis Straubing-Bogen und grinst über das ganze Gesicht. Hier hat der 28-Jährige vor fast elf Jahren seine Ausbildung zum Feinwerkmechaniker begonnen. Inzwischen hat er sich zum Handwerksmeister weitergebildet. Er zeigt auf sein ungewöhnliches Meisterstück, eine Ballschussmaschine, die er auf einer Holzpalette geparkt hat. „Da ist das gute Stück.“ Man merkt ihm den Stolz über sein ungewöhnliches Meisterprojekt an. Schließlich hat er lange daran herumgetüftelt. Sein Chef, Hubert Stahl, hat ihn bestärkt, war aber anfangs durchaus skeptisch: „Wenn das funktioniert, dann fresse ich einen Besen! Das habe ich zu Markus damals gesagt. Aber weil ich ihn unterstützen wollte, habe ich ihm das Material für sein Meisterstück bezahlt.“
Meisterkurs neben dem Job
Stahl beschäftigt 58 Mitarbeiter. Markus Raab arbeitet inzwischen als Meister bei ihm. Die beiden duzen sich. Raab sagt: „Hubert und auch mein Abteilungsleiter haben von Anfang an viel Vertrauen in mich gesetzt. Ich durfte während der Ausbildung an modernsten Maschinen arbeiten und beide haben mir viel zugetraut Dadurch habe ich viel gelernt – und dieses Können gibt mir heute enormes Selbstvertrauen.“ Im September 2015 hat der Realschüler Markus Raab bei Hubert Stahl angefangen. Anschließend wurde er sofort übernommen. „Ich beschäftige so gut wie alle meine Auszubildenden weiter und ich unterstütze sie auch, wenn sie sich fortbilden wollen“, sagt der Firmenchef.
Markus Raab hat seine Meisterausbildung zum Feinwerkmechaniker (Fachrichtung Maschinenbau) bei der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz von 2023 bis 2025 berufsbegleitend durchgezogen. „Das war wahnsinnig anstrengend und hat mich viel Kraft gekostet“, erzählt er. Warum er sich das trotzdem angetan hat? Der 28-Jährige überlegt nicht lange: „Ich wollte den nächsten Schritt gehen, mich weiterentwickeln und mich für zukünftige Führungsaufgaben vorbereiten.“
Applaus für Idee und Umsetzung
Raab liebt seinen Beruf, das Handwerk. Dort, sagt er, liege seine berufliche Heimat. „Ich jongliere im Handwerk nicht nur mit Zahlen, sondern ich setze auch um. Ich plane nicht nur, sondern ich sehe am Ende des Tages, ob alles auch wirklich so funktioniert. Und das erfüllt mich.“ Am Ende seines Meisterkurses hat die Handwerkskammer Raabs Ballschussmaschine auf ihren Social-Media-Kanälen vorgestellt. Daraufhin meldeten sich die Regionalzeitung und eine Radiostation, um über die ungewöhnliche Konstruktion zu berichten. Für den FC-Bayern-Fan und Freizeitkicker Raab eine schöne Anerkennung. „Für das Bauen hatte ich nur zehn Tage Zeit“, erinnert er sich an die „heiße Phase“ seiner praktischen Meisterausbildung.
Damit die Maschine mobil und gut zu transportieren ist, wurde sie auf zwei Rollen gestellt und größtenteils aus Aluminium gefertigt. Der Ball wird auf eine Rampe gelegt, zwei Elektromotoren treiben zwei Walzen an – und zack! – wird der Fußball herausgeschleudert. Für das perfekte Pressefoto wiederholt Markus Raab den Vorgang geduldig wieder und wieder. Er kann dank seiner ausgeklügelten Konstruktion die Flugbahn des Balles variieren und den Abschusswinkel von null bis 60 Grad einstellen. Auch die Abschuss-Power kann je nach Bedarf verändert werden. Theoretisch sind bis zu 120 km/h Fluggeschwindigkeit des Balles drin. Für das Foto natürlich viel zu schnell. Bis zu 50 Meter weit würden die Bälle dann fliegen.
Prototyp kostet 2.500 Euro
Die Ballschussmaschine könnte fürs Training oder bei Veranstaltungen zum Einsatz kommen, sagt Raab. Im Moment steht sie in der Werkstatt. Jetzt, zur Fußballweltmeisterschaft, wird sie sicher wieder öfter zum Einsatz kommen. Bei rund 2.500 Euro liegen die Kosten für die Maschine. Davon hat Hubert Stahl den Großteil übernommen. „Den Rest habe ich vom Aufstiegs-BAföG finanziert“, sagt Raab, der seinem Chef für die Unterstützung sehr dankbar ist. Nur in einem Punkt sind sich die beiden nicht ganz einig. Auf die Frage, wer Weltmeister wird, tippt Hubert Stahl auf Frankreich. Markus Raab sagt: „Ich tippe auf Spanien, hoffe aber natürlich auf Deutschland.“ Dem guten Betriebsklima schadet das Tippergebnis sicher nicht. Und die Ballmaschine – wer weiß? – die trägt vielleicht eines Tages dazu bei, einem Weltmeister oder einer Weltmeisterin von morgen die nötige Schusskraft anzutrainieren.
DHZ-Artikel
Ein Artikel aus der Deutschen Handwerks Zeitung vom 26. Juni 2026.
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Firmenchef Hubert Stahl (li.) hat Markus Raab finanziell und ideell bei der Umsetzung seines Meisterstücks unterstützt.