International tätig, verwurzelt in der Region: Geschäftsführer Georg Bohrer (links) und Vertriebsleiter Johannes Scheck von der Bohrer Maschinenbau GmbH.
Im GesprächVon Regenstauf in die ganze Welt
Die Firma Bohrer Maschinenbau in Regenstauf beschäftigt lediglich 25 Mitarbeiter und hat sich trotzdem in vielen Teilen der Welt einen Namen gemacht – und zwar mit einem ganz besonderen Produkt. Seit der Gründung im Jahr 1973 stellt der Familienbetrieb Kastenwascher her. „Ganz am Anfang lag unser Hauptgeschäft in der Fertigung von Leimauftragsmaschinen für die Holzindustrie“, erzählt Georg Bohrer, der das Unternehmen seit 2006 in zweiter Generation führt. Im Laufe der Zeit sei die Nachfrage allerdings zurückgegangen – dafür trat der Kastenwascher in den Fokus und damit auch ein weltweiter Markt. Der Grund dafür liegt gewissermaßen auf der Hand, so Vertriebsleiter Johannes Scheck, der ebenfalls seit 2006 im Betrieb tätig ist. „Es gibt eigentlich überall Kästen oder Kisten die gewaschen werden müssen. Wenn dann die Qualitäts- und Leistungsanforderungen steigen, dann steigen auch unsere Chancen ein Geschäft zu machen, ganz einfach.“ Mittlerweile hat der Betrieb mit einer Export-Quote von 50 Prozent seine Maschinen überall in der Welt verkauft – nach Südkorea und Kasachstan, nach Saudi-Arabien, in zahlreiche afrikanische Länder, in weite Teile Europas und nach Südamerika. Wie es dazu kam, wo die größten Herausforderungen im Auslandsgeschäft liegen und worauf dabei zu achten ist, das erzählen Georg Bohrer und Johannes Scheck im Gespräch.
Leistungsprofil stetig erweitert
Jedes Jahr verlassen durchschnittlich 15 Kastenwascher die Fertigungshalle in Regenstauf. Die Bandbreite reicht von kompakten Maschinen mit etwa anderthalb Metern Länge bis hin zu großen Anlagen, die bis zu elf Meter lang und drei Meter hoch sein können. Der Betrieb deckt damit unterschiedliche Anforderungen ab. Je nach Branche, gewünschtem Reinigungsgrad und Größe lassen sich die Maschinen individuell konfigurieren – vergleichbar mit der Ausstattung eines Autos. Mittlerweile produziert Bohrer Kastenwascher für Krankenhäuser, die Lebensmittelindustrie und die Logistik. Das Leistungsprofil hat sich über die Jahre stetig erweitert. Dennoch geht der überwiegende Teil der Maschinen weiterhin in die Getränkeindustrie. „Da kommen wir her und da sind wir auch groß geworden“, erzählt Georg Bohrer. Jährlich nimmt das Unternehmen an zwei der wichtigsten Fachmessen der Branche teil – der Drinktec in München und der BrauBeviale in Nürnberg. Für das Auslandsgeschäft sei das ein großer Vorteil, so Bohrer. „Wir müssen nur ein paar Stunden fahren und haben schon die ganze Welt vor der Tür.“ Dieses Potenzial erkannte das Unternehmen früh: Bereits 1993 stellte Firmengründer Ludwig Bohrer auf der Drinktec eine neu entwickelte, dreistöckige Maschine mit einem Tauchbad und zwei darüberliegenden Waschebenen vor. „Die erste dieser Maschinen haben wir für eine bayerische Brauerei gebaut, die zweite ging schon nach Simbabwe.“
„Die Basis muss immer in der Heimat sein“
Bis heute ist Afrika ein wichtiger Markt für den Betrieb, auch Südamerika spielt eine bedeutende Rolle. Die meisten Maschinen hat Bohrer Maschinenbau nach Venezuela geliefert. Hintergrund ist das Mehrwegsystem, erklärt Johannes Scheck. In vielen afrikanischen und südamerikanischen Ländern seien Kunststoffmehrwegkästen sehr beliebt, weil sie wenige Ressourcen verbrauchen und über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte als eine solide Transportverpackung dienen.“ In Nordamerika und Russland sei es schwieriger Kastenwascher zu verkaufen, weil das Mehrwegsystem hier weniger verbreitet ist. Am anspruchsvollsten bleibe aber der deutsche Markt. Denn: der Kasten ist hier nicht nur ein Logistikmittel, sondern auch ein Marketinginstrument. Georg Bohrer und Johannes Scheck haben viele Kästen gesehen, solche mit Hochglanzlogo, die finde man außerhalb Europas nur selten. Je hochwertiger der Kasten, desto höher sind folglich auch die Anforderungen an den Kastenwascher. Trotz dieser anspruchsvollen Bedingungen bleibt Deutschland ein zentraler Markt für das Unternehmen. „Die Basis muss immer in der Heimat sein, wenn wir es da schaffen, dann geht’s woanders auch“, so Bohrer.
Lokale Kontakte spielen große Rolle
Um sich bislang unbekannte Märkte zu erschließen, setzt der Betrieb, neben einer starken Präsenz auf internationalen Messen, insbesondere auf lokale Kontakte, die Sprache, Markt und kulturelle Besonderheiten kennen. Es seien oft diese Kontakte, die „über das Wohl oder Wehe“ entscheiden, meint Scheck. Unter anderem deshalb beteiligt sich das Unternehmen an Delegationsreisen von Bayern International, der Bayerischen Gesellschaft für internationale Wirtschaftsbeziehungen. Diese Reisen bieten die Möglichkeit, Wirtschaft und Unternehmenskultur eines Landes vor Ort kennenzulernen und mit einem besseren Verständnis neue Geschäftsfelder zu erschließen. Jüngst reiste Vertriebsleiter Scheck auf diesem Weg nach Mexiko. Jeder internationale Austausch spiele eine wichtige Rolle und sei immer ein großer Gewinn, davon ist der Vertriebsleiter überzeugt. „Man kennt das Land davor nicht, man kennt sich in der Kultur nicht aus, man weiß nicht, wie stark verbreitet das Mehrwegsystem ist – nach einer solchen Reise ist man einfach immer schlauer“, so Scheck. Handwerksbetrieben, die sich internationaler aufstellen möchten, empfehlen beide, sich mit dem Angebot von Bayern International vertraut zu machen. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen stünden dabei nämlich im Fokus.
Nachwuchs sichert Zukunft
Mit wachsenden Aktivitäten steigen auch die Anforderungen im Betrieb. Gute Kastenwascher gibt es eben nur mit qualifizierten Fachkräften. Gleichzeitig sei es schwerer geworden, Mitarbeiter und Auszubildende zu finden, sagt Georg Bohrer. Aktuell bildet der Betrieb zwei Feinwerkmechaniker und eine Bürokauffrau aus. Auch eine Ausbildung zum technischen Produktdesigner ist möglich. Um auch künftig Nachwuchs zu gewinnen, beteiligt sich das Unternehmen am „Tag des Handwerks“, den bayerische Schulen im Rahmen der Berufsorientierung anbieten. Dieser Nachwuchs ist wichtig – auch mit Blick auf die Zukunft. Denn Bohrer Maschinenbau sieht weiterhin Potenzial in neuen Märkten und Branchen. Insbesondere Indien sei von Interesse, ebenso der Einsatz von Kastenwaschsystemen in der Pharmaindustrie. Dem Marktpotenzial sind dahingehend kaum Grenzen gesetzt, denn Wachstumschancen liegen überall dort wo Kisten und Kästen gewaschen und getrocknet werden müssen – und das ist in vielen Branchen und fast überall auf der Welt der Fall.
DHZ-Artikel
Ein Artikel aus der Deutschen Handwerks Zeitung vom 10. Juli 2026.
„Die Basis muss immer in der Heimat sein, wenn wir es da schaffen, dann geht’s woanders auch“
Georg Bohrer