Hier steht der Bürokratieabbau bei der Genehmigung von Schwertransporten im Fokus (v.li.n.re.): Disponent der Jura-Holzbau GmbH Herbert Goß, Geschäftsführer der Blödt Holzkomplettbau GmbH Adrian Blödt, Prokurist der Jura-Holzbau GmbH Christian Hierl, Bürokratieabbaubeauftragter der Bayerischen Staatsregierung MdL Walter Nussel, HWK-Präsident Dr. Georg Haber und Geschäftsführerin der Jura-Holzbau GmbH Stefanie Hierl-Halbritter.
Erste BilanzPraxis-Check Bürokratieabbau zeigt erste Erfolge
Bürokratieabbau: Die Forderung gehört seit Jahren zum festen Inventar öffentlicher Debatten – und das mit gutem Recht. Auch für Handwerksbetriebe geht der wachsende Papierkrieg mit unnötiger Zeitverschwendung und hohen Kosten einher. Der Ruf nach weniger Bürokratie ist entsprechend dringlich, seine Umsetzung jedoch in der Tiefe hochkomplex.
Wie komplex, das hat sich die Handwerkskammer im vergangenen Jahr ganz genau angeschaut und mit betroffenen Betrieben zwei Praxis-Checks zu konkreten Themenfeldern durchgeführt. Fokuspunkt des ersten Praxis-Checks: die Genehmigung von Schwertransporten – für betroffene Unternehmer ein bürokratischer Kraftakt. Welche enormen Hürden dabei bestehen und wie sich der Prozess vereinfachen lässt, arbeitete die Handwerkskammer gemeinsam mit der Jura-Holzbau GmbH und der Blödt Holzkomplettbau GmbH bis ins letzte Detail heraus. Die Ergebnisse wurden schließlich dem Bürokratieabbaubeauftragten der Bayerischen Staatsregierung, Walter Nussel, präsentiert. Es folgten weitere Gespräche mit dem Bayerischen Innenministerium. Was hat sich seitdem getan?
Verantwortung liegt beim Betrieb
Die Prozesskette, die bei der Genehmigung von Schwertransporten durchlaufen werden muss, ist ein mustergültiges Beispiel für das, was dem Ruf nach Bürokratieabbau zu Grunde liegt. Ein umfangreiches Antragsverfahren, zahlreiche beteiligte Behörden und etliche Auflagen, die der Betrieb erst abarbeiten muss, bevor es mit dem Transport losgehen kann.
„Der Prozess ist unfassbar aufwendig und entsprechend frustrierend für uns als Unternehmen. Vor allem weil es bloß ein Bürokratiethema von vielen weiteren ist“, so Adrian Blödt, Geschäftsführer der Blödt Holzkomplettbau GmbH. Entsprechend deutlich waren auch die Forderungen und die konkreten Verbesserungsvorschläge der Handwerkskammer und der beteiligten Betriebe, um den Prozess nachhaltig zu entschlacken. Ein grundsätzliches Umdenken sei wichtig gibt auch Christian Hierl, Prokurist der Jura-Holzbau GmbH zu bedenken. „Oft werden in den einzelnen Landkreisen unterschiedliche Auflagen gestellt. Das macht uns die Arbeit unnötig schwer und muss sich ändern.“
Ein Jahr nach dem Praxis-Check zeigt sich ein gemischtes Bild: Während die Entwicklung bei einigen Punkten weiterhin schleppend vorangeht, ist bei anderen inzwischen Bewegung in den Prozess gekommen. Auch ein erster konkreter Erfolg lässt sich bereits verzeichnen.
Positive Entwicklungen
In der Regel müssen Betriebe den geplanten Transport mindestens 48 Stunden vor Abfahrt beim jeweiligen Polizeipräsidium anmelden. Bis vor kurzem nutzte jedes Polizeipräsidium in Bayern unterschiedliche Formblätter – heute existiert ein einheitliches Meldeformular. Der Praxis-Check dürfte den wesentlichen Impuls für diese positive Entwicklung gesetzt haben, hatten Kammer und Betriebe ein solches einheitliches Meldeformular konkret gefordert.
Eine weitere zentrale Forderung der Handwerkskammer und der beteiligten Betriebe: eine Anzeige- statt einer Genehmigungspflicht bei unkomplizierten, risikoarmen Transporten. Für diese Idee zeigte sich das Bayerische Innenministerium grundsätzlich offen.
Darüber hinaus ließ das Innenministerium wissen, dass aktuell an einer KI-gestützten Lösung gearbeitet werde, die Betriebe in den kommenden Jahren im Antragsverfahren entlasten soll. Blödt und Hierl verbinden mit der angekündigten KI-Lösung große Hoffnungen. Zugleich ist die Ungeduld in den Betrieben nachvollziehbar: Entlastung wird nicht „in den kommenden Jahren“, sondern so bald wie möglich gebraucht. Umso wichtiger ist, dass die Lösung am Ende nicht nur schnell, sondern auch gut durchdacht und sauber umgesetzt ist.
Handwerkskammer bleibt dran
Trotz positiver Entwicklungen und erster Erfolge bleibt aus Sicht der Handwerkskammer noch viel zu tun. HWK-Präsident Dr. Georg Haber bringt das Grundproblem auf den Punkt: „Die Pflichten und die Verantwortung liegen beim Betrieb, die Rechte jedoch bei der Verwaltung.“ Nach einem Jahr intensiver Bemühungen und zahlreicher Gespräche habe man erwartet, bereits weiter zu sein, so Haber.
„Wir sind trotzdem überzeugt, dass der Praxis-Check der richtige Weg ist, um Politik und Verwaltung vor Augen zu führen, wo die Probleme und Fallstricke für unsere Betriebe liegen.“ Auch in Zukunft bleibe die HWK am Thema dran, verspricht der Präsident. „Wir lassen erst locker, wenn unsere Betriebe eine echte und nachhaltige Entlastung spüren.“
DHZ-Artikel
Ein Artikel aus der Deutschen Handwerks Zeitung vom 6. Februar 2026.