Besonders deutlich trübte sich die Stimmung im Lebensmittelgewerbe.
Fotoatelier am Hafen
Besonders deutlich trübte sich die Stimmung im Lebensmittelgewerbe ein, wo die aktuelle Lage deutlich schwächer bewertet wird als noch vor einem Jahr. 38 Prozent der Betriebe verzeichnen hier Nachfragerückgänge.

Konjunktur 2. Quartal 2026Konjunkturbarometer zeigt nach unten

16. Juli 2026

Im ostbayerischen Handwerk hat sich die konjunkturelle Entwicklung im zweiten Quartal eingetrübt. Der Geschäftsklima-Index sank um fünf Prozentpunkte auf einen Wert von eins (Vorquartalswert: sechs, Vorjahr: acht). Nach der zuletzt leichten Erholung zeigt der Konjunkturtrend damit erneut nach unten. „Sogar die normal übliche saisonale Frühjahrsbelebung blieb diesmal aus“, gibt Handwerkskammerpräsident Dr. Georg Haber zu bedenken.

HWK-Präsident fordert weitere Wachstumsimpulse

Der enorme Kostendruck stelle viele Betriebe vor Herausforderungen: „Die anhaltende wirtschaftliche Schwäche, die zurückhaltende Nachfrage, internationale Konflikte und ihre Folgen, hohe Kostenbelastungen sowie fehlende Wachstumsimpulse verhindern weiterhin eine nachhaltige Erholung im Handwerk“, so Haber. Die Bundesregierung müsse angekündigte Reformen zügig umsetzen und zugleich weitere Impulse für eine nachhaltige wirtschaftliche Belebung auf den Weg bringen. „Entscheidend ist nicht, was beabsichtigt wird, sondern ob Maßnahmen im Alltag der mittelständischen Betriebe auch schnell, effektiv und wirklich spürbar ankommen.“

 Nur jeder dritte Betrieb im ostbayerischen Handwerk (36 Prozent) bewertet seine Lage laut Konjunkturbericht noch als gut. Vor fünf Jahren, mitten in der Corona-Pandemie, war es noch jeder Zweite. Ernüchternd auch der Blick in die Zukunft: Nur sechs Prozent der Betriebsinhaber rechnen in den kommenden drei Monaten mit einer Verbesserung ihrer Lage. Die Nachfrage zeigt sich weiter schwach. Zuletzt verbuchten 29 Prozent der Betriebe sinkende Neuaufträge. Entsprechend zeigen sich auch bei den Auftragsbeständen wenig Veränderungen. Bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf konnte sich dieser Wert zuletzt etwas erholen. Gleichzeitig bewertet weiterhin jeder dritte Betrieb (32 Prozent) seinen Auftragsbestand beziehungsweise die Nachfrage als unterdurchschnittlich (Vorquartal: 26 Prozent).

Schwache Umsatzentwicklung bereitet Sorgen

Bei den Umsätzen überwogen auch im zweiten Quartal die Betriebe mit Umsatzrückgängen (26 Prozent; Vorquartal: 37 Prozent) gegenüber denen mit Umsatzsteigerungen (20 Prozent). HWK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Kilger beobachtet den Trend mit Sorge: „Mit Ausnahme des Vorjahresquartals ist dieser Saldo bei der Umsatzentwicklung gegenüber dem Vorquartal seit drei Jahren durchgehend negativ. Und das ist kein gutes Zeichen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung.“ Kilgers Einschätzung untermauern auch weitere Zahlen des Konjunkturberichts. Zum Beispiel bleibt auch die Beschäftigungssituation weiterhin verhalten. Während 16 Prozent der Betriebe eine Verringerung ihres Personalbestands meldeten, verzeichneten neun Prozent einen Anstieg. Drei Viertel der Betriebe hielten ihre Beschäftigtenzahl konstant. Gleichzeitig hält der Kostendruck durch weiter steigende Einkaufspreise bei vielen Betrieben an.

Besonders deutlich trübte sich die Stimmung im Lebensmittelgewerbe ein, wo die aktuelle Lage deutlich schwächer bewertet wird als noch vor einem Jahr. 38 Prozent der Betriebe verzeichnen hier Nachfragerückgänge. Auch viele andere Handwerksgruppen verzeichneten eine Verschlechterung. Leichte Verbesserungen zeigten sich lediglich in den Handwerken für den privaten Bedarf sowie in den Handwerken für den gewerblichen Bedarf. Die Erwartungen für die kommenden Monate bleiben jedoch in allen Handwerksgruppen weiter zurückhaltend.