Die Projektpartner des Projektes "KINO" - Künstliche Intelligenz Niederbayern-Oberpfalz.
HWK
Auch beim Projekt KINO bewährt sich die Bündelung von Forschung und Praxis, davon sind die Projektpartner überzeugt (v.li.n.re.): der stv. HWK-Hauptgeschäftsführer Hans Schmidt, Projektleiter der TH Deggendorf Prof. Dr. Michael Scholz, die wissenschaftli-che Leiterin des Technologie Campus Grafenau Prof. Dr. Diane Ahrens, Prof. Dr. Benedikt Elser vom Technologie Campus Grafenau und HWK-Präsident Dr. Georg Haber.

Künstliche Intelligenz im Handwerk in Niederbayern und der OberpfalzKINO: Neue Ansätze für das Handwerk von Morgen

KINO – das steht für Künstliche Intelligenz im Handwerk in Niederbayern und der Oberpfalz und ist der Titel eines zukunftsweisenden Forschungsprojekts, das die Handwerkskammer seit November 2024 gemeinsam mit dem Technologie Campus Grafenau und der Technischen Hochschule Deggendorf vorantreibt. Die zentrale Forschungsfrage: Welche administrativen und wertschöpfenden Aufgaben im Handwerk können künftig durch KI unterstützt oder übernommen werden, um knapper werdende Personalkapazitäten gezielter einzusetzen. Oder einfach ausgedrückt: Wie kann die Künstliche Intelligenz Handwerkerinnen und Handwerker entlasten, damit mehr Zeit für das eigentliche Handwerk bleibt. Bei einem Besuch am Technologie Campus Grafenau informierten sich HWK-Präsident Dr. Georg Haber, der stellvertretende HWK-Hauptgeschäftsführer Hans Schmidt und weitere Projektpartner über den aktuellen Stand des Projekts nach rund eineinhalb Jahren Laufzeit. Welche zentrale Rolle KI im Handwerk einnehmen kann und welches enorme Potenzial die Forschung dahingehend spielt, fasste Prof. Dr. Diane Ahrens, wissenschaftliche Leiterin des Technologie Campus Grafenau, in einer kurzen Begrüßung zusammen: „KI ist für das Handwerk ein zentraler Hebel für Wettbewerbsfähigkeit. Sie ermöglicht effizientere Abläufe, stärkt die Wirtschaftlichkeit und sichert eine hohe Qualität – gerade in einem Handwerk, das stark kunden- und lösungsorientiert ist.“

Praxisnahe Anwendung

Unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Scholz untersucht ein interdisziplinäres Team aus Mitarbeitenden der Handwerkskammer sowie Forschenden des Technologie Campus Grafenau und der Technischen Hochschule Deggendorf konkrete Anwendungsmöglichkeiten von KI im Handwerk. Im Fokus stehen derzeit zwei praxisnahe Use Cases. Zum einen wird ein KI-gestütztes System entwickelt, das Handwerksbetriebe bei der schnellen und einfachen Kalkulation von Angebotspreisen unterstützt. Hierfür analysiert die KI Konstruktionszeichnungen aus CNC-verarbeitenden Gewerken. Sie erkennt automatisch in den Zeichnungen Formen, Komplexität und Materialien und erstellt auf Basis hinterlegter Daten eine fundierte Angebotsprognose. Zum anderen wird untersucht, wie KI in der Aus- und Weiterbildung eingesetzt werden kann. Auf Grundlage von Videoaufzeichnungen handwerklicher Tätigkeiten entsteht ein KI-gestütztes Lernsystem. Die Videos werden von der KI auf vier unterschiedlichen Ebenen analysiert. Die Spracherkennung transkribiert gesprochene Inhalte, die Objekterkennung identifiziert Werkzeuge und Maschinen, die Aktionserkennung analysiert Bewegungen und die Texterkennung extrahiert Inhalte von Maschinenoberflächen und Displays. Das Lernsystem soll dazu beitragen, neue Mitarbeitende effizient einzuarbeiten und gleichzeitig wertvolles Erfahrungswissen im Betrieb langfristig zu sichern. Darüber hinaus werden im Projekt KI-generierte Avatare mithilfe der Plattform HeyGen erstellt, die für die Wissens- und Informationsvermittlung zu den Themen KI-Grundlagen und Projektfortschritt eingesetzt werden. Projektleiter Prof. Dr. Michael Scholz hob hervor, wie wichtig die Zusammenarbeit mit den Handwerksbetrieben für das Gelingen des Projekts sei: „Wir können KI-gestützte Systeme entwickeln, aber dafür müssen wir auch genau verstehen, wo die Herausforderungen in der Praxis liegen.“

Konkrete Entlastung angestrebt

Die Vertreter der Handwerkskammer zeigten sich von den Fortschritten begeistert. „Das ist Wissenschaft für die Wirtschaft – von der Forschung in die Praxis, aus der Region für die Region“, betonte Dr. Georg Haber. Dieser Leitgedanke präge nicht nur das Projekt selbst, sondern auch die enge Partnerschaft mit den regionalen Hochschulen in Ostbayern, die sich bereits in zahlreichen erfolgreichen Kooperationen bewährt habe. „KINO zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial in der Verbindung von Handwerk und Künstlicher Intelligenz steckt“, ergänzte Hans Schmidt. Gerade in Zeiten knapper Fachkräfte biete der Einsatz von KI einen erheblichen Mehrwert: „Unser Ziel ist es, Betriebe konkret zu entlasten und gleichzeitig die Zukunftsfähigkeit des Handwerks nachhaltig zu stärken.“ Das Forschungsprojekt wird durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie gefördert und ist auf eine Laufzeit von drei Jahren angelegt.

 DHZ-Artikel

Ein Artikel aus der Deutschen Handwerks Zeitung vom 24. April 2026.

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