Vize-Europameister im Ofenbau Andreas Lengsfeld hält stolz das Zertifikat in den Händen.
Messe Wels/Roland Pelzl
Der stolze Vize-Europameister im Ofenbau Andreas Lengsfeld mit dem VEUKO-Präsidenten Dipl.-Ing. Robert Salvata (links) und dem Geschäftsführer des Österreichischen Kachelofenverbands Dipl.-Ing. Dr. Thomas Schiffert.

Im GesprächEin Ausnahmetalent im Ofenbau

Seit fast zehn Jahren schlägt das Herz von Andreas Lengsfeld aus Bad Kötzting im Bayerischen Wald für den Ofenbau. Mit 14 Jahren absolvierte der heute 23-Jährige ein Praktikum bei der Firma Ofenbau Müller in Runding. „Ab dem ersten Tag habe ich mich in den Beruf verliebt und bin davon nie wieder weggekommen“, erzählt er. Kein Wunder – denn Andreas Lengsfeld ist nicht nur leidenschaftlich, sondern auch außergewöhnlich talentiert. Bei der Deutschen Meisterschaft im Handwerk wurde er Bundessieger seines Gewerks, qualifizierte sich damit für die Europameisterschaft im Ofenbau und kehrte schließlich als Vize-Europameister nach Hause zurück. Im Gespräch berichtet er von seinem Werdegang, den Erfahrungen im Wettbewerb und seinen Plänen für die Zukunft.

Echte Handwerkerfamilie

Dass er einen Handwerksberuf erlernen wollte, war für Andreas Lengsfeld schon immer klar, Handwerk liegt ihm gewissermaßen in den Genen. „Wir sind eine richtige Handwerkerfamilie“, erzählt er. Sein Vater ist Zimmerer, der Bruder Heizungsbauer. Den entscheidenden Anstoß gab schließlich sein Onkel, der selbst bei Ofenbau Müller angestellt ist und Andreas im Rahmen eines Ferienjobs ermutigte, in den Beruf des Ofenbauers hineinzuschnuppern. „Was mich von Anfang an besonders fasziniert hat, war die Vielseitigkeit“, sagt Lengsfeld. Denn im Ofenbau vereinen sich zahlreiche Berufe und Techniken: Heizungsbau, Mauern, Fliesenlegen, Verputzen, Metallarbeiten, Schweißen und Elektrik. „Es wird einfach nie langweilig.“ Besonders gerne baut Andreas Öfen mit aufwendiger Kachelgestaltung – ob traditionell oder modern. „Da sind wir im Betrieb schon immer sehr kreativ. Wir Ofenbauer sind schon auch ein Stück weit Künstler und Architekten.“

Aus dem Traum wird Wirklichkeit

Die Ausbildung schließt Andreas Lengsfeld im Jahr 2022 als Innungsbester ab und tritt damit in die Deutsche Meisterschaft im Handwerk ein – Europas größtem Berufswettbewerb, bei dem bundesweit mehr als 3.000 junge Menschen im Kampf um den Bundessieg auf drei Wettbewerbsebenen gegeneinander antreten. In der Meisterschaft wird Lengsfeld Bayerischer Landessieger und holt sich schließlich auch den ersten Bundessieg. Doch selbst mit dem Titel als Deutschlands bester Nachwuchs-Ofenbauer ist seine Wettbewerbskarriere noch nicht vorbei. „Schon während der Lehre hat mir mein Berufsschullehrer von der Europameisterschaft im Ofenbau erzählt. Da beginnt man automatisch darüber nachzudenken, wie es wäre, selbst einmal dabei zu sein.“ Aus dem Traum wird in diesem Jahr schließlich Wirklichkeit. Andreas Lengsfeld tritt im Januar 2026 für Deutschland bei der Europa-Meisterschaft an.

Große Unterstützung vom Betrieb

Die Europameisterschaft im Kachelofenbau wird von der Vereinigung der europäischen Verbände des Kachelofenbauer-/Hafner-Handwerks (VEUKO) ausgetragen und findet alle vier Jahre im Rahmen der internationalen Fachmesse für Fliesen, Kachelöfen und Keramik in Wels, Oberösterreich, statt. Vorab muss Andreas Lengsfeld einen Vorentscheid in Münster bestreiten, bei dem die vier letzten Sieger der Deutschen Meisterschaft im Handwerk um die Teilnahme an der Europameisterschaft kämpfen. In Münster ist die Nervosität groß: Viele Prüfungssituationen erlebt Andreas in dieser Form zum ersten Mal. Dennoch meistert er auch das – er darf nach Wels. Hier tritt er gegen insgesamt sechs Ofenbauer aus Österreich, der Schweiz, Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Italien an. Die Aufgaben sind anspruchsvoll: in 16 Stunden muss ein Ofen gekachelt werden – und dabei ist nicht nur die Schnelligkeit entscheidend, sondern auch die Präzision. „Bei der Europameisterschaft geht’s um Millimeter. Wenn man einen Millimeter abweicht, dann geht’s gleich in die nächste Toleranzstufe und man verliert eine Menge Punkte.“ Bis zum Schluss arbeitet der 23-Jährige hochkonzentriert und punktgenau – am Ende landet er knapp auf dem zweiten Platz. „Wenn ich ganz ehrlich bin, dann hätte ich mir den ersten Platz gewünscht“, gibt Lengsfeld zu, „aber da muss man sportlich bleiben.“ Stolz ist er trotzdem – genauso wie sein Arbeitgeber und die Familie, die vor Ort waren, um ihn anzufeuern. Und am Ende ist Andreas Lengsfeld vor allem dankbar – nicht nur seiner Familie, sondern auch seinem Arbeitgeber. Insbesondere bei den Wettbewerben sei die Unterstützung enorm gewesen, ob Freistellung von der Arbeit oder die Bereitstellung von Arbeitsausrüstung. „Der Ferdinand, der Junior-Chef, ist mein bester Freund und auch der Senior-Chef und die Senior-Chefin standen immer an meiner Seite.“

„Eine große Familie“

Mit 23 Jahren endet Andreas Lengsfelds Karriere im kompetitiven Ofenbau – gleichzeitig steht er am Anfang seiner beruflichen Laufbahn. 2024 schließt er seinen Meisterkurs in Straubing ab. Als Jungmeister sowie Bayerischer, Deutscher und Vize-Europameister im Ofenbau stehen ihm nun viele Türen offen – und genau diese Offenheit möchte er sich bewahren. Gemeinsam mit seiner Freundin, die derzeit ein Lehramtsstudium absolviert, plant er seine Zukunft. Wohin der Weg genau führt, weiß er noch nicht – fest steht: es geht weiter im Ofenbau. „Wir Ofenbauer sind eine große Familie“, sagt der 23-Jährige – und da findet jeder einen Platz.

 DHZ-Artikel

Ein Artikel aus der Deutschen Handwerks Zeitung vom 6. März 2026.

Nächster Meisterkurs

www.hwkno-bildung.de

Andreas Lengsfeld ist hochkonzentriert: Bei der Europa-Meisterschaft geht’s beim Bau des Ofens um Millimeter.
Brunner_Germany Anna Hansbauer
Andreas Lengsfeld ist hochkonzentriert: Bei der Europa-Meisterschaft geht’s beim Bau des Ofens um Millimeter.