Die beteiligten Projektpartner rund um Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt (Mitte) bei der Delegationsreise nach Duschanbe. Von der HWK war Abteilungsleiterin der Außenwirtschaftsberatung Katharina Wierer (2.v.re.) mit dabei.
Neues Projekt zur Fachkräfteeinwanderung aus TadschikistanAus Duschanbe nach Deggendorf
Tadschikistan liegt, eingebettet in mächtige Gebirgsketten, zwischen Afghanistan und China im Herzen Zentralasiens. Ehemals Teil der Sowjetunion ist das Land heute eine Republik, die seit einem blutigen Bürgerkrieg Mitte der 1990er Jahre vom Präsidenten Emomali Rahmon de facto autoritär regiert wird. Tadschikistan hat heute eine der am schnellsten wachsenden und jüngsten Bevölkerungen in Asien. 33 Prozent der rund 10 Millionen Einwohner sind unter 15 Jahren alt, das Durchschnittsalter liegt bei 22 Jahren. Für Wirtschaft und Gesellschaft ist das eine enorme Herausforderung. Das Entwicklungsland schafft seit Jahren nicht genügend Arbeitsplätze – und die vorhandenen Stellen sind bei einem durchschnittlichen monatlichen Bruttolohn von rund 200 Euro meist schlecht bezahlt. Entsprechend hoch sind Arbeitslosigkeit und Migrationsdruck. Auch Deutschland, wo Fachkräfte und Auszubildende händeringend gesucht werden, ist ein beliebtes Ziel. Zunehmend entstehen hier Initiativen zur gezielten Fachkräfteeinwanderung – darunter auch in Ostbayern. Im Rahmen eines jüngst entwickelten Projekts werden tadschikischen Jugendlichen Ausbildungsplätze in ostbayerischen Handwerksbetrieben vermittelt. Die Handwerkskammer ist hier – und auch an vielen weiteren Projekten – als Kooperationspartner beteiligt und nimmt in Bayern damit eine Vorreiterrolle ein. „Die Fachkräftegewinnung aus Drittstaaten ist ein wirksamer Weg den Fachkräftemangel im Handwerk zu entschärfen und bietet jungen Menschen echte Perspektiven“, so HWK-Präsident Dr. Georg Haber. Als Handwerkskammer beteilige man sich dabei ausschließlich an Projekten von staatlichen Partnern. „Arbeitsmigration muss fair sein – immer. Nur dann können beide Seiten profitieren und nur dann haben solche Projekte nachhaltigen Erfolg.“
Delegationsreise liefert Einblicke
Das Tadschikistan-Projekt ist eine Gemeinschaftsinitiative, des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, der Bundesagentur für Arbeit in Deggendorf und Traunstein, der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), ihrer Unterorganisation des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft (bbw) und der Handwerkskammer. Um Land, Leute und Strukturen vor Ort besser kennenzulernen reisten die Projektpartner im Frühjahr gemeinsam in die tadschikische Hauptstadt Duschanbe. Von Seiten der HWK beteiligte sich Abteilungsleiterin der Außenwirtschaftsberatung Katharina Wierer. „Feel the friendship“ – also „erlebe die Freundschaft“ – das ist die offizielle Einladung Tadschikistans an seine Gäste. Und das sei spürbar gewesen, berichtet Katharina Wierer. „Die Tadschiken sind wahnsinnig herzlich und gastfreundlich.“ Vor Ort erhielten die Beteiligten fundierte Einblicke ins tadschikische Berufsbildungswesen, sowie in die lokale Umsetzung des Projekts. „Das war hochinteressant und wirklich bereichernd“, so Wierer. Auch der Bayerische Wirtschaftsstaatsekretär Tobias Gotthardt beteiligte sich an der Delegationsreise. Von dem nachhaltigen Erfolg solcher Projekte zeigte er sich überzeugt. „Jenseits des vollen Ausschöpfens und Förderns eigener Ressourcen eröffnen wir jungen Menschen konkrete Perspektiven und unterstützen gleichzeitig unsere Betriebe bei der Gewinnung dringend benötigter Auszubildender.“ Mit frühzeitiger Investition in die Ausbildung und enger Begleitung der jungen Menschen, könne Wirtschaft und Gesellschaft langfristig profitieren, meint der Wirtschaftsstaatssekretär.
HWK stellt Kümmerer
Der Projektstart steht kurz bevor: Im Mai haben die künftigen Lehrlinge bereits einen Sprachtest absolviert. Demnächst beginnt vor Ort ein Integrationskurs des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft, der die jungen Menschen auf das Leben und Arbeiten in Deutschland vorbereiten soll. Die Agentur für Arbeit Deggendorf übernimmt die Akquise, das Matching sowie die Organisation der Vorstellungsgespräche. Bereits im September sollen rund 25 tadschikische volljährige Jugendliche ihre Ausbildung in 13 Handwerksbetrieben in und um Deggendorf beginnen. Die Handwerkskammer stellt einen Kümmerer, der die Jugendlichen beim Ankommen und Einleben in der Region unterstützt: eine wichtige Aufgabe, so Katharina Wierer. Die Herausforderungen für die Tadschikinnen und Tadschiken seien vielfältig, da sie ohne familiäres Umfeld in eine völlig fremde Region kämen. „Dass die jungen Menschen wirklich ankommen können und sich von Anfang an aufgehoben fühlen, ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Integration“, meint Wierer.
Perspektivisch wolle man die Aktivitäten bei einem erfolgreichen Projektverlauf nicht nur in Tadschikistan, sondern auch in anderen Projekten weiter ausbauen. „Wir sind mit den Projekten, an denen wir beteiligt sind, sehr zufrieden und freuen uns, dass sich viele der Menschen, die aus Drittstaaten zu uns gekommen sind, im ostbayerischen Handwerk wohlfühlen.“ Besonders stolz sei man darauf, den Mitgliedsbetrieben eine Alternative zu privaten Vermittlungsagenturen bieten zu können. „In der Theorie ist Arbeitsmigration eine Win-win-Situation. In der Praxis sollte das nicht anders sein“, so Wierer.
DHZ-Artikel
Ein Artikel aus der Deutschen Handwerks Zeitung vom 26. Juni 2026.
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Nachhaltiger Erfolg dank starker Projektpartnerschaft: der Bayerische Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt mit HWK-Abteilungsleiterin Katharina Wierer.
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