Fahrzeuglackiererin Elena Artmann liebt Designlackierungen und will Karriere im Handwerk machen.
Artmann
Fahrzeuglackiererin Elena Artmann liebt Designlackierungen und will Karriere im Handwerk machen.

Im GesprächKarosserien, Kunst und viel Know-How

Die eigene Intuition trügt einen meistens nicht. Dennoch siegt oft der Kopf über das Herz. Als Elena Artmann in der zehnten Klasse auf dem Ursulinen Gymnasium in Straubing die Schule abbrechen und eine Lehre zur Fahrzeuglackiererin machen will, schlägt der jungen Frau von allen Seiten Unverständnis entgegen. „Deshalb habe ich mein Abitur gemacht und anschließend beim Zoll ein Studium angefangen“, erzählt die heute 23-Jährige. Glücklich wurde sie damit nicht. „Ich wollte nicht den ganzen Tag im Büro sitzen und in einen Computer reinschauen.“ Eines Tages hat sie sich beim Autohaus Ostermeier in Straubing für eine Lehrstelle als Fahrzeuglackiererin beworben – und wurde genommen. In diesem Jahr steht der Meisterkurs auf dem Programm. Und das ist für Elena Artmann nur der Anfang ihres Karriereweges im Handwerk.

Beruf vereint beide Leidenschaften

Kunst und Autos haben Elena Artmann schon immer interessiert. Außerdem fährt sie in ihrer Freizeit gerne Motorrad. Als ihr in der Schule ein Infoheft über verschiedene Berufe auf den Tisch flattert, fällt ihr sofort ihr heutiger Beruf ins Auge. „Ich wollte mehr über das Fahrzeuglackierer-Handwerk wissen, habe gegoogelt und alles gelesen, was ich darüber finden konnte.“ Der Handwerksberuf ist für die damalige Gymnasiastin die ideale Kombination ihrer beiden größten Leidenschaften: Kunst und Motorsport.

Als Elena im Jahr 2023 endlich ihre Lehre anfängt, lässt der Erfolg nicht lange auf sich warten. Über den Kammer- und Landessieg erreicht die Gesellin schließlich den Bundessieg bei der Deutschen Meisterschaft im Handwerk, immerhin Europas größter Berufswettbewerb. In ihrem Berufsstand gehört sie damit zu den Besten der Besten. „Ich habe den Bundessieg wirklich nicht erwartet und bin da schon stolz drauf“, erzählt Artmann. Der große Erfolg freut auch ihre Eltern, die die Tochter bei ihren beruflichen Plänen inzwischen voll und ganz unterstützen.

Zu diesen Plänen gehört aktuell der Meistertitel. Ende letzten Jahres hat Elena Artmann ihren Lehrbetrieb verlassen. Anfang 2026 standen schon die berufsübergreifenden Teile ihrer Meisterprüfung auf dem Plan. Teil III – hier werden betriebswirtschaftliche, kaufmännische und rechtliche Kenntnisse abgeprüft – und Teil IV (berufs- und arbeitspädagogische Kenntnisse) hat sie in der Tasche. Die berufsspezifischen Teile I und II folgen dann ab August und dauern bis Ende des Jahres. Die Handwerkerin freut sich, dass sie über die Warteliste noch einen Platz für den Meisterkurs ergattern konnte: „Ich erhoffe mir, dass ich dort neue Leute kennenlerne und natürlich auch für meinen Beruf viel Neues und Nützliches mitnehmen kann.“

Lieblingsaufgabe: Designlackierungen

Derzeit arbeitet Artmann bei der Hofer GmbH in Eggenfelden. Dort kann sie ihre Leidenschaft für Designlackierungen voll ausleben. Die Stimme der jungen Frau wird lebhaft, als sie davon erzählt. Wenn sie zum Beispiel einer Harley-Davidson eine ungewöhnliche Lackierung in Rennoptik verpassen darf, schlägt ihr Herz höher: „Ich sehe ja, wie die Motorräder ankommen und was man alles aus ihnen machen kann – und das ist wirklich super!“ Elena Artmann schwärmt in höchsten Tönen von ihrem Beruf, räumt aber ein, dass er manchmal auch anstrengend ist: „Wir tragen oft Masken und wenn man dann noch große Teile spachteln und schleifen muss, dann kann es körperlich schon mal herausfordernder werden.“ Die zierliche Handwerkerin hat auch das im Griff. Fahrzeuglackierer sei deshalb noch lange kein reiner Männerberuf, sagt sie.

Trotzdem: Elena Artmann ist nicht selten die einzige Frau in der Werkstatt. Auch das: kein Problem für die junge Frau aus Leiblfing im Landkreis Straubing-Bogen. „Klar haben sich die männlichen Kollegen anfangs aus Unsicherheit oft gar nicht recht getraut, irgendwelche Witze zu reißen. Aber inzwischen werde ich voll akzeptiert und jeder ist, wie er eben ist“, sagt sie lachend.

Beste Karrierechancen

Die Kombination aus körperlicher Arbeit, Technik und Kreativität macht für Artmann den Reiz ihres Handwerks aus. „Ich sehe sofort, was ich leisten kann und genau das habe ich weder in der Schule noch im Studium gefunden.“ Ideen schwirren genug in ihrem Kopf herum. Zum Beispiel würde sie gerne einmal ein Auto unter dem Motto „Universum“ lackieren. „Mit verschiedenen Planeten, Astronauten und Raketen.“ Oder jedes Bauteil der Karosserie einem eigenen Land widmen: „Für Griechenland würde ich dann eine griechische Gottheit und für Italien dann vielleicht eine Pizza airbrushen.“

Dank ihrer Kreativität, ihrem Leistungswillen und ihrem Know-How muss sich die angehende Handwerksmeisterin über ihrer Karrierechancen in naher Zukunft keine Sorgen machen. Sie hat bereits jetzt viele Jobangebote, auch Angebote für eine Firmenübernahme sind dabei. Ihr jetziger Arbeitgeber würde sie außerdem auch nach dem Meisterkurs gerne weiterbeschäftigen. „Ich schließe grundsätzlich nichts aus, auch die Selbstständigkeit nicht. Aber ich bin ein spontaner Mensch, ich plane nicht gerne weit im Voraus“, sagt Elena Artmann. Jetzt freut sie sich erstmal auf ihren Meisterkurs und auf ihr Meisterstück, das mit Sicherheit ein absolutes Unikat werden wird. Denn: Lösungen von der Stange sind einfach nicht ihr Ding.

 DHZ-Artikel

Ein Artikel aus der Deutschen Handwerks Zeitung vom 24. Juli 2026.

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Die Kombination aus körperlicher Arbeit, Technik und Kreativität macht für Elena Artmann den Reiz ihres Handwerks aus.
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Die Kombination aus körperlicher Arbeit, Technik und Kreativität macht für Elena Artmann den Reiz ihres Handwerks aus.