Océane Auzanneau in Action: Gerade absolviert sie die Ausbildung zur Glasmacherin in Zwiesel.
Im GesprächEine Frau brennt (für) Glas
Der Grundstein für Océane Reintgens Faszination mit dem Werkstoff Glas wurde schon sehr früh gelegt – durch einen Beitrag in der „Sendung mit der Maus“. Im Fernsehen sah sie, wie kunstvoll Flakons für Parfüm geblasen werden. Ihre Mutter erkannte die Begeisterung der Tochter und schenkte ihr einen Flakon mit ihrem Spitznamen. Das Mädchen begann Flakongläser zu sammeln – hatte bald schon eine riesige Sammlung. Im Urlaub mit den Eltern und später allein durfte fortan ein Besuch in Museen, wo kunstvolles Glas ausgestellt wurde, nicht mehr fehlen. „Der Beruf des Glasmachers war für mich jetzt immer präsent – ich war mir sicher: Genau das will ich werden!“ Nach dem Abi 2020 und einem Auslandsaufenthalt in Frankreich machte sie ein Praktikum an der Glasfachschule in Hadamar. Glasmacher am Ofen gibt es dort nicht; in Gesprächen mit den Lehrkräften vor Ort merkt sie schnell: Die künstlerische Richtung ist hoch anspruchsvoll. Ihr wird eine Ausbildung im handwerklich-technischen Bereich nahegelegt. Océane probiert sich am Brenner aus und merkt schnell wie viel Kunst im Handwerk liegt. In den folgenden Wochen ihres Praktikums lernt sie die technische Glasbläserei schnell lieben. „Ich dachte mir, wenn ich technisch schon gut Glas blasen kann, dann wird meine Kunst auch gut. Außerdem habe ich dann einen sicheren Beruf!“ Sie entscheidet sich deswegen für eine Ausbildung zur Glasapparatebauerin in der hessischen Glasfachschule. Nach nur etwas mehr als 2 Jahren dank Verkürzung folgt der Abschluss. „Der Wunsch nach der Arbeit mit der Glasmacherpfeife und flüssigem Glas war aber definitiv immer da!“
Der Weg nach Zwiesel
Die frischgebackene Gesellin entscheidet sich deswegen nach Zwiesel zu gehen, und sich hier zur Glasmacherin weiterzubilden. Frisch an der Glasfachschule angekommen, darf sie auch ihr Gesellenstück noch bei den German Craft Skills einreichen, und wird Bundessiegerin. Hier in Zwiesel, ist sich die Glaskünstlerin sicher, wird sie die bestmögliche Ausbildung bekommen. Bei einem Erasmus-Aufenthalt im Sommer 2026 vertieft sie im Praktikum bei einem französischen Glasapparate-Hersteller ihre handwerklichen Fähigkeiten. „Die Firma erweitert ihr Angebot aber gerade auch mit Kunstbläserei. Ich merke immer wieder, jetzt wo ich sowohl die Arbeit mit Chemie- als auch mit Kristallglas kennengelernt habe: Die beste Grundlage, um meine Glaskunst zu verbessern, ist das Schärfen meiner handwerklichen Skills!“, sagt die Glasmacherin. Ihre Glaskunst war schon in vielen Ausstellungen in Zwiesel und ganz Deutschland zu sehen. Gerade Outfits mit Glaselementen oder sogar ein ganzes Korsett aus Glas finden auch in den sozialen Medien großen Zuspruch. Dort tritt sie unter ihrem Künstlernamen Océane Auzanneau auf.
Stolze Repräsentantin der Handwerkskunst
Bei dieser Affinität zum guten Stil ist es vielleicht kein Wunder, dass sich die junge Handwerkerin auch als Glaskönigin bewarb: „Die Jury schaut heutzutage schon darauf, dass man auch Ahnung vom Werkstoff Glas hat. Natürlich muss man auch eher der extrovertierte Typ sein.“ Ihre Art und die Leidenschaft für Glas, die sie ausstrahlt, waren schließlich ausschlaggebend, dass sie 2025 eine von zwei Glashoheiten in Zwiesel wurde. Für zwei Jahre repräsentiert Océane nun das Glas in ganz Bayern. Und dann ist sie auch schon bald am Ende ihrer zweiten Ausbildung angelangt. Und ihre Pläne dann? „Der große Traum ist schon, dass ich mich mit meiner Glaskunst selbständig machen kann. Daran arbeite ich zusammen mit einer Freundin intensiv. Dank meiner handwerklichen Ausbildung kann ich mich aber auch darauf verlassen, dass ich immer eine sichere Bank habe.“ Die Arbeit im Glasapparatebau reizt sie außerdem immer noch sehr, die komplexen Strukturen faszinieren weiterhin. „Außerdem möchte ich auch hier noch besser werden und meine Fähigkeiten festigen.“ Das fasst das Wirken von Océane Reintgen gut zusammen: Besser werden und besser machen. Sowohl bei den eigenen Fähigkeiten als auch, wenn es darum geht, Werbung für ihr Handwerk zu machen.
DHZ-Artikel
Ein Artikel aus der Deutschen Handwerks Zeitung vom 25. September 2026.
Königin vor Glas: Océane Reintgen stellt ihr Gesellenstück zur Schau.