Eine neue Ära: Josef Schauer (li.) übergab seinen Betrieb an Marcel Anzenberger (re.).
Im GesprächEin Lebenswerk in guten Händen
„Ich wollte raus!“, sagt Josef Schauer aus Neunburg vorm Wald. Viele Jahre hat er nach einem Nachfolger für seine Firma gesucht. Er hatte viele Interessenten, auch dank Inseraten in der Betriebsbörse der Handwerkskammer. Doch es wollte nicht so recht funken. Der eine hatte nicht die nötigen Qualifikationen, andere wollten die Haustechnik GmbH übernehmen, den 59-jährigen dann aber wieder als Betriebsleiter einstellen. Doch gerade das wollte er ja nicht, wollte raus aus dem Geschäft, war dabei seinen Ruhestand zu planen. Für den Gas- und Wasserinstallateurmeister passte es immer wieder einfach nicht. Doch dann, ein Lichtblick.
„Wir ticken gleich!“
„Das ist phänomenal gewesen“, sagt Marcel Anzenberger. „Von Tag eins war bei mir und Josef klar: Wir ticken gleich!“ Der Anlagenmechanikermeister für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik war sozusagen die Nadel im Heuhaufen, die Übergeber Josef Schauer schließlich erfolgreich fand. Anzenberger erinnert sich: „Er hat mich eingeladen zu einem kurzen ersten Gespräch im Büro – einfach schmatzen, wie es laufen soll. Nach drei Stunden Gespräch über Gott und die Welt waren wir uns beide sicher, dass wir auf einer Wellenlänge unterwegs sind. Es hat menschlich einfach gepasst.“ Anzenberger war zu dem Zeitpunkt in einer größeren Firmengruppe Angestellter und Gesellschafter. Er baute im Unternehmen die Heizungsbausparte auf, hatte zum Schluss 25 Mitarbeiter in seinem Team. Doch seine Vorstellungen über die Zukunft des Unternehmens deckten sich letztlich nicht mit denen der anderen Gesellschafter. Auch ihm wurde immer mehr klar: „Ich will raus!“ Er überlegte zunächst, sich anderswo als Angestellter zu bewerben, doch den Gedanken verwarf er schnell wieder: „Ich habe realisiert, dass ich mich nicht mehr unterordnen kann und will. Ich bin tendenziell eine eher dominantere Person, ob das so eine gute Eigenschaft ist, sei mal dahingestellt“, scherzt der 37-jährige Miltacher. Von null anfangen wollte er jedoch nicht. Deswegen warf er immer wieder einen Blick auf die Inserate in der Betriebsbörse der Handwerkskammer.
Übergabe in gute Hände
Für Josef Schauer wiederum war wichtig, die engen Kontakte und Beziehungen zu Bauträgern und Kunden, die er sich über Jahre aufgebaut hat, in gute und verlässliche Hände zu übergeben. „Ich kenne diese Leute alle persönlich. Es war auch eine Frage der Ehre, sicherzustellen, dass da alles sauber und verlässlich weiterläuft, allein schon in Bezug auf die Gewährleistung.“, meint der Übergeber. Anfang 2026 schließt die Haustechnik Schauer GmbH. Aufträge und Mitarbeiter übernimmt ab sofort die neugegründete Anzenberger Gebäudetechnik GmbH. „Wir wollten da einen klaren Cut machen auf dem Papier. Wie gesagt, arbeiten wir aber natürlich noch wahnsinnig eng zusammen.“ So leicht die Übergabe Schauer an seinen Nachfolger menschlich fiel, so kompliziert war sie dann aber in der Praxis.
„Es wird einem nicht leicht gemacht, selbständig zu sein in Deutschland“, sagt Schauer. „Der bürokratische Aufwand ist schon enorm. Auch jetzt, wo ich meinen Betrieb aufgegeben habe, wird es nicht weniger. Ich möchte beinahe schon sagen, das Aufhören jetzt ist schwieriger als mein Start bei Firmengründung.“ Er sei aktuell ungefähr drei Stunden am Tag damit beschäftigt, seine Angelegenheiten zu klären. Dieser hohe Bürokratie-Aufwand sei ein wichtiger Grund für ihn gewesen aufzuhören. Er könne und wolle sich damit nicht mehr herumschlagen. Das Feuer, so sagt der Handwerksmeister, fehle ihm mittlerweile. Feuer, das sein junger Nachfolger noch habe. Anzenberger wirft ein: „Es hilft mir aber auch enorm, dass ich den Josef jetzt auf Minijob-Basis noch beschäftigen darf. Es ist eine große Entlastung für mich, sowohl im Büro als auch im Kundenkontakt. Das zeigt, wie gut und nahtlos die Übergabe bei uns geklappt hat.“
„Der sanfte Aussteig tut mir gut“
„Ich helfe mit, weil ich helfen kann“, sagt Josef Schauer, „aber ich habe jetzt, Gott sei Dank, diesen Leistungsdruck nicht mehr. Dieser sanfte Ausstieg tut auch mir sehr gut. Ich habe die Jahre ja nur gearbeitet, sonst nichts. Meine Bekannten sind entweder ein paar private Freunde oder halt Leute, die ich über die Arbeit kenne.“
Dass die menschliche Komponente einer der wichtigsten Faktoren bei der Betriebsübergabe ist, weiß auch Andreas Keller. Er ist Bereichsleiter Betriebsberatung bei der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Er und seine Berater arbeiten intensiv mit Handwerksbetrieben zusammen, um die Unternehmensnachfolge, egal ob in der Familie oder außerhalb, bestmöglich zu regeln. Er mahnt: „Wenn es menschlich nicht passt, kann es nicht klappen. Gerade die gute Zusammenarbeit zwischen Übergeber und Übernehmer vor und nach der eigentlichen Übergabe ist essentiell, damit eine Betriebsübernahme gut klappt. Das sehen wir in der Betriebsberatung immer wieder. Josef Schauer und Marcel Anzenberger sind dafür ein Paradebeispiel.“
Guter Rat vom Vorgänger
Josef Schauer will die viele Zeit, die er jetzt wieder hat, gut nutzen. Besonders für die Familie. Zeit, die er in den Jahren seiner Selbständigkeit nicht aufbringen konnte. „Das haben mir in den letzten Jahren meine Kinder schon klargemacht, dass das nicht immer so gut war. Ich kann mich an viele Weihnachten erinnern, wo ich Heilig Abend viel zu spät zur Bescherung gekommen bin, mit dreckigen Händen und nach Heizöl stinkend.“
Er hofft auf bürokratische Entlastung für junge Selbständige wie den Übernehmer Anzenberger. Seinem Nachfolger rät er, auch in eine gesunde Work-Life-Balance investieren. Und Fehler nicht zu machen, die er jetzt am Ende seiner Karriere erkennt. Nachfolger Marcel Anzenberger scheint den Rat schon zu befolgen: „Für mich sind die Geburtstage meiner Kinder heilig. Außerdem eine Woche Urlaub im August mit der ganzen Familie. Und natürlich Heilig Abend.“
DHZ-Artikel
Ein Artikel aus der Deutschen Handwerks Zeitung vom 24. Juli 2026.