Standortverflechtung im Wirtschaftsraum Niederbayern (v. li. n. re.): Toni Hinterdobler, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Walter Keilbart, Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern, und Professor Dr. Stephan Thomsen vom NIW stellen die Ergebnisse der Studie vor.

Bircheneder
Standortverflechtung im Wirtschaftsraum Niederbayern (v. li. n. re.): Toni Hinterdobler, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Walter Keilbart, Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern, und Professor Dr. Stephan Thomsen vom NIW stellen die Ergebnisse der Studie vor.

Standortverflechtungsanalyse

Starke wirtschaftliche Vernetzung nach München

Kooperationen mit anderen Betrieben werden immer bedeutender – auch für kleine und mittelständische Unternehmen. Denn: Kunden wünschen sich bei der Auftragsvergabe verstärkt Lösungen aus einer Hand. Zu diesem Ergebnis kommt eine Standortverflechtungsstudie für den Wirtschaftraum Niederbayern, die das Niedersächsische Institut für Wirtschaftsforschung (NIW) im Auftrag der IHK Niederbayern und der Handwerkskammer durchgeführt hat. Neben den entsprechenden Kunden brauchen die ausführenden Betriebe dazu vor allem qualifizierte Mitarbeiter und die richtigen Partner.

München gilt als wichtiger Absatzmarkt

Wie stark niederbayerische Betriebe bereits kooperieren, wohin sie sich bei der Gewinnung ihrer Mitarbeiter orientieren, und wo ihre Kunden sitzen – das hat die groß angelegte Studie in Niederbayern untersucht. Im vergangenen Jahr wurden über 700 Betriebe vom NIW befragt. Das Ergebnis zeigt, dass mit einer Verflechtung von über 90 Prozent die niederbayerische Wirtschaft ihre Geschäftspartner und Kunden zu einem großen Teil in Niederbayern selbst findet. Darüber hinaus orientieren sich die Betriebe vor allem Richtung Westen, also in das restliche Bayern und in das übrige Bundesgebiet. Für über 40 Prozent der befragten Betriebe stellt zum Beispiel der Raum München einen wichtigen Absatzmarkt dar. Beziehungen zu den Nachbarländern nach Österreich und in die Tschechische Republik sind laut Studie hingegen noch ausbaufähig. Gleichzeitig kommt die Untersuchung zu dem Schluss, dass die Beziehungen der niederbayerischen Wirtschaft in die Oberpfalz und in Richtung Großraum Nürnberg auch noch ausgeweitet werden könnten.

Lokale und regionale Verwurzelung des Handwerks

Die starke lokale und regionale Verwurzelung der heimischen Wirtschaft ist gerade aus Sicht des Handwerks ein erfreuliches Ergebnis, sagt Toni Hinterdobler, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. „Denn die Bereitschaft zu kooperieren, ist in vielen Bereichen heute überlebenswichtig geworden.“ Das Handwerk sei ein vielseitiger und gerade außerhalb der großen Städte sehr bedeutender Wirtschaftsbereich. Gerade im ländlichen Raum könne es deshalb private Kunden ebenso wie Auftraggeber aus Industrie, Handel und öffentlicher Hand mit einem breiten Angebot an Waren und Dienstleistungen bedienen. „Ob in den großen Städten oder auf dem Land aktivieren die Betriebe regionale Potenziale nah beim Kunden.“

Kammern sind als Kooperationspartner in der Aus- und Weiterbildung attraktiv

Gleichzeitig zeigt die Studie, dass die Wirtschaftskammern als Kooperationspartner im Bereich Aus- und Weiterbildung attraktiv sind. 76 Prozent der Handwerksbetriebe, die in diesem Bereich kooperieren, sind an Aus- und Weiterbildungskooperationen mit der Handwerkskammer beteiligt. Dies bestärkt die Handwerkskammer in ihrer Strategie, dezentral in zwölf Bildungszentren ein umfangreiches Bildungsangebot anzubieten. „Denn gerade die kleineren Betriebe sind für die langfristige Sicherung des Fachkräftebedarfs vor Ort auf diese Angebote angewiesen“, erläutert Hinterdobler. Für sie sind die regionalen Kammern und berufsbildenden Schulen wesentliche Kooperationspartner, wie die Studie aufzeigt. Ein Aspekt, der sich laut Studie nicht zuletzt auch aus dem dualen Berufsbildungssystem ergibt.

Verkehrsinfrastruktur und regionales Fachkräftepotenzial notwendig

Aus der Studie des NIW-Gutachterteams um Professor Dr. Stephan Thomsen lasse sich auch ein Auftrag in Richtung Politik ableiten, gerade vor dem in der Verfassung festgeschriebenen Grundsatz der gleichwertigen Lebensverhältnisse, sagt Hinterdobler. „Um neue Absatzmärkte stärker zu entwickeln, ist eine flächendeckende Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur unabdingbar.“ Außerdem müssten Zentren wie Passau, Landshut, Straubing oder Deggendorf gestärkt werden. Denn sie seien nicht nur Wissenschaftsstandorte, Einkaufsstädte und Städte mit zentralen Einrichtungen, sie sind vielmehr wichtige Entwicklungspole für ihren ganzen Einzugsbereich. Sie bildeten somit die Grundlage für wirtschaftlich starke und erfolgreiche Regionen. Auch die weitere Stärkung der dezentralen Bildungsstrukturen mit einer einhergehenden Förderung der beruflichen Bildung müsse vorangetrieben werden. Denn, wie die Studie klar darlegt: Ein neu eingestellter Mitarbeiter kommt mit einer rund 80-prozentigen Wahrscheinlichkeit aus demselben Landkreis wie sein neuer Arbeitgeber. Damit ist das regionale Fachkräftepotenzial ein entscheidender Standortfaktor für die heimische Wirtschaft.

Christian Stachel

Abteilungsleiter

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