Neben dem klassischen Fleisch- und Wurstsortiment verkauft Florian Zankl auch ausgefallene Steaks wie das beliebte Dry Aged Rib Eye vom Rind.
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Neben dem klassischen Fleisch- und Wurstsortiment verkauft Florian Zankl auch ausgefallene Steaks wie das beliebte Dry Aged Rib Eye vom Rind.

Wursttaxi liefert Steak und Leberkäs frei Haus

Im Gespräch mit Metzgermeister Florian Zankl, Inhaber von "Bayerwald Butcher" in Parkstetten

Florian Zankl kehrt gerade den Boden hinter der Auslageware. "Ich mach das noch schnell fertig", sagt er. Der erste Eindruck täuscht nicht. Arbeitseifer und Tatendrang des 20-jährigen sind bemerkenswert. So legte er vor zwei Jahren, als vermutlich jüngster Metzger Deutschlands, die Meisterprüfung ab. Schon ein halbes Jahr später war er Chef des eigenen Unternehmens in Parkstetten im Landkreis Straubing-Bogen. Mittlerweile hat sich der selbsternannte "Bayerwald Butcher" in der Region und darüber hinaus einen Namen gemacht. Nicht zuletzt wegen seiner innovativen Geschäftsideen. Wie er auf den Firmennamen kam? Der sei ihm halt so eingefallen "weil’s gut passt", so die pragmatische Antwort. Auch wenn manche Kunden dem "neumodischen Namen" erst einmal nichts abgewinnen konnten, passt er perfekt ins Konzept.

Metzger-Lieferdienst für die Region

Der "Bayerwald Butcher" will modern sein und Trends setzen. So startete Zankl seine Selbstständigkeit im Herbst 2015 nicht gerade konventionell, sondern in Form eines Lieferdienstes, dem "Wursttaxi". Die Idee kam ihm, nachdem er ein halbes Jahr im Verkauf der elterlichen Metzgerei gearbeitet hatte. Denn "viele ältere Kunden sind nicht mehr mobil und viele jüngere schaffen es zeitlich nicht, während der Ladenöffnung einzukaufen." Zankl begann zu kalkulieren, planen und rechnen. Eine der Herausforderungen war, die Kühlkette, also die Temperatur von zwei Grad Celsius, während des gesamten Transportes zu gewährleisten. Bald stellte er fest: "Mit Styropor-Thermoboxen und Kühlpads ist das kein Problem." Nach wenigen Wochen war er dann gegründet, der Ein-Mann-Betrieb zuhause, im ehemaligen Partykeller. Die Waren bezog Zankl aus der Metzgerei seiner Eltern in Saulburg bei Wiesenfelden. Das tut er heute noch. Mittlerweile jedoch in der eigenen Filiale mit fünf Mitarbeitern, die er vor eineinhalb Jahren in Parkstetten eröffnet hat. Die ursprüngliche Lieferidee gehört dort nach wie vor zum Angebot. Mittlerweile hat Zankl sogar einen Fahrer eingestellt, um alle Bestellungen bearbeiten zu können. Zwischen 35 und 50 Kunden beliefert der "Bayerwald Butcher" in der Woche. Immer dienstags und freitags im Umkreis von 30 Kilometern und ab 20 Euro Warenwert. "Der Kontakt mit den Kunden macht mir mit am meisten Spaß", erzählt Zankl. So passiert es schon mal, dass es bei Lieferungen heißt "Geh Florian, setz dich her und trink einen Kaffee mit uns." Aber mittlerweile kenne man sich ja und plane bei manchen Kunden schon etwas mehr Zeit ein, schmunzelt der 20-Jährige.

Kurse für das perfekte Steak

Zankl legt Wert darauf, nicht nur produzieren und verkaufen zu wollen. "Ich möchte die Kunden auch beraten, wenn es um die bestmögliche Weiterverarbeitung der Lebensmittel geht." Oft sei am Telefon oder an der Tür mit zwei, drei Sätzen erklärt, wie man ein Gericht auch ohne "Packerl" hinbekommt. Das freue ihn dann genauso, wie den Kunden. Die Frage, ob er mit seinen jungen Jahren überhaupt ernst genommen werde, beantwortet er selbstsicher: "Kompetenz kommt durch Fachwissen, nicht durch das Alter." Seine beratende Funktion nimmt Zankl nicht nur im Verkaufsgespräch ernst. Seit einem halben Jahr bietet er auch Kurse an. So können Interessierte und Fleischliebhaber bei ihm lernen, was ein perfektes Steak ausmacht, wie man Rinder- oder Schweinefleisch zerlegt und wie das Fleisch zur Wurst wird. "Die Kurse laufen gut, bisher waren alle ausgebucht", freut sich der Metzgermeister. Das erklärt er sich auch dadurch, dass das Interesse an Lebensmitteln und speziell Fleisch in der Bevölkerung wieder zunehme. "Einerseits liegt das am andauernden Barbecue-Trend, andererseits steigt generell das Qualitätsbewusstsein, auch bei jungen Leuten", bemerkt Zankl. Dass diese gewünschte Qualität bei ihm und seinen Eltern an oberster Stelle steht, merkt man in vielerlei Hinsicht. So wird bei der Metzgerei Zankl noch selbst geschlachtet. Ausschließlich Tiere von Bauern aus der Region. "Uns ist das wichtig, damit wir eine möglichst ruhige und sorgfältige Schlachtung gewährleisten können", betont der Jungunternehmer. Auch dass die Tiere gut gehalten und nicht mit Antibiotika behandelt werden ist ein Kriterium. Bei der Verarbeitung wird weder Gluten noch Lactose zugesetzt und auf eine sorgfältige Reifung geachtet. Die Maxime des "Bayerwald Butcher" scheint zu lauten: Innovation trifft Tradition. Einerseits hat er das elterliche Sortiment gehörig erweitert, beispielsweise mit selbstgemachten Antipasti, ausgefallenem Käse und edlen Steaks, wie dem Cuscino vom Schwein oder dem beliebten Dry Aged Rib Eye vom Rind. Andererseits sind es doch noch immer die Weißwürste, die sich am besten verkaufen.

Erfolgs-Credo: Neues ausprobieren

An Ideen mangelt es dem "Bayerwald Butcher" trotzdem nicht. Sein nächstes großes Projekt: Der Onlineshop. Zwar gibt es den bereits, so richtig angelaufen ist er aber noch nicht. "Den muss ich erst noch ordentlich bewerben", sagt er. Dass das Versenden über weite Strecken funktioniert, hat er schon bewiesen. Denn 15 Kilogramm Zankl-Leberkäs haben bereits den weiten Weg nach Alaska überstanden. Bekannte der Metzgersfamilie waren dort vier Wochen im Fischerei-Urlaub und wollten offensichtlich nicht so lange auf den geliebten Leberkäs verzichten. Aber auch in geringeren Mengen und aus kleineren Entfernungen können Kunden bequem über die Webseite bayerwald-butcher.de ihren Aufschnitt oder Sonntagsbraten bestellen. Im Gespräch mit Florian Zankl fragt man sich schnell, ob jemand mit so viel unternehmerischer Schaffenskraft überhaupt noch Freizeit hat. "Für alles, was einem wichtig ist, hat man schon Zeit.", so die lapidare Antwort. Fußball, Kochen und Sporteln schaffe er jedenfalls immer. Davon, dass der Freizeitanteil demnächst größer wird, kann man eher nicht ausgehen. Die neuesten Projekte sind bereits in Planung. Etwa will Zankl Themenabende in Kooperation mit Gastronomiebetrieben anbieten und eine Weiterbildung zum Fleischsommelier machen. Ganz nebenbei arbeitet er weiterhin im elterlichen Betrieb mit. Was ihn antreibt? "Neues ausprobieren", sagt er. "Wer nur macht, was er in der Schule gelernt hat, kommt nicht weit im Leben."



Erfolgreiche Geschäftsidee: Der "Bayerwald Butcher" Florian Zankl liefert Wurst und Fleisch direkt ins Haus.
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Erfolgreiche Geschäftsidee: Der "Bayerwald Butcher" Florian Zankl liefert Wurst und Fleisch direkt ins Haus.