Kommentar von Präsident Dr. Georg Haber zur Landtagswahl 2018.
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Dr. Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz

Wie sich das Handwerk gegen eine schwächelnde Konjunktur stemmt

Ein Statement von Kammerpräsident Dr. Georg Haber zum Jahreswechsel.

19. Dezember 2019

Das Handwerk hat über das ganze Jahr 2019 gesehen seine volle Wirtschaftskraft gezeigt, während Teilen der Industrie langsam die Luft ausgegangen ist. Großkonzerne haben nach Jahren des Booms geschwächelt. Hingegen die niederbayerischen und Oberpfälzer Handwerkbetriebe haben diesem Abwärtstrend getrotzt, wenngleich bei handwerklichen Zulieferern auch schon erste Einbrüche erkennbar gewesen sind. Vor allem die Baubranche hat aber den wirtschaftlichen Erfolgskurs des Handwerks aufrecht gehalten. Hier sind die Konjunkturdaten unverändert gut gewesen und auch die zukünftigen Erwartungen der Betriebe fallen positiv aus. Doch worin liegt die Stärke der Handwerksbranche, die bereits die Wirtschaftskrise ab 2008 fast unbeschadet umschifft hat?

Regionale Verwurzelung als große Stärke

Der Export macht den großen Unterschied. Während Industriebetriebe von politischen Verwerfungen, wie dem Brexit, Handelskriegen und Wirtschaftsrestriktionen, schwer getroffen werden, legt das Handwerk seinen Wirtschaftsschwerpunkt auf die einzelnen Regionen. Darin liegen seine Stärke und Stabilität verankert.

Das Handwerk deckt den Bedarf der Bevölkerung vor Ort - von frischen Semmeln über einen neuen Haarschnitt bis hin zum renovierten Bad - und erfüllt Kundenwünsche. Ebenso den Nachwuchs bildet es in Heimatnähe aus und gibt ihm berufliche Perspektiven sowie einen sicheren Arbeitsplatz vor Ort. Oft engagieren sich die Handwerksbetriebe darüber hinaus ehrenamtlich in ihren Städten und Gemeinden, sie prägen die lokalen Sozialstrukturen mit. Der Mensch steht in diesen langfristigen Beziehungen im Mittelpunkt.

Kleine Betriebe, große Flexibilität

Neben dieser regionalen Verwurzlung spielt aber auch eine besondere Unternehmenskultur eine Rolle: Eigentum und Unternehmensleitung liegen in einer Hand und damit auch Verantwortung und Risiko. Das System hat einen großen Vorteil: Entscheidungen können kurzfristig gefällt werden. Das macht die Betriebe agil, flexibel und widerstandsfähig. Bereits die Wirtschaftskrise hat es gezeigt: Der Mittelstand hat in dieser Zeit nicht das ganze Team ausgestellt. Sie konnten die Phase überbrücken, haben sich arrangiert und nicht Stakeholder getrieben gehandelt.

Bei stabiler Binnenkonjunktur geht es dem Handwerk gut

Das Handwerk steht damit auf einem stabilen Fundament. Zudem profitiert es aktuell noch von einer stabilen Binnenkonjunktur. Kauflaune und Investitionsfreude der Bevölkerung in Ostbayern sind groß, doch garantiert ist das nicht. Die binnenorientierte Wirtschaft ist deshalb auf wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen angewiesen und hier warten wir auf Unterstützung seitens der Politik. So fehlen leistungsfähige Verkehrs- und Breitbandinfrastrukturen, eine wettbewerbsfähige Steuerpolitik und eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Sozialpolitik, um nur einige Baustellen zu nennen. Stattdessen brauchen wir eine Politik, die den Betrieben und Unternehmen Luft zum wirtschaftlichen Agieren lässt, und weniger bürokratische Belastungen.

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Das Statement von Kammerpräsident Dr. Georg Haber können Sie auch im Video sehen.