Wegen bestehender Aufträge steht das Bauhauptgewerbe relativ gut da. Andere Handwerksbranchen trifft die Corona-Krise hart.
Katharina Teubl
Wegen bestehender Aufträge steht das Bauhauptgewerbe relativ gut da. Andere Handwerksbranchen hingegen trifft die Corona-Krise hart - mit existenziellen Folgen.

Trotz Wiederbelebung der Geschäfte blicken Betriebe pessimistisch in die Zukunft

Konjunkturbericht 2. Quartal 2020

15. Juli 2020

Mit den Lockerungsmaßnahmen in Folge der Corona-Pandemie ist in Teilen des Handwerks im 2. Quartal 2020 eine Wiederbelebung der Geschäfte eingetreten. Das belegt der aktuelle Konjunkturbericht der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Dreiviertel aller ostbayerischen Handwerksbetriebe verzeichneten eine gute oder zumindest befriedigende Geschäftslage in den vergangenen drei Monaten. Doch der Ausblick der Betriebe bleibt verhalten.

Baubranche profitiert von bestehenden Aufträgen

"Gerade das Bauhauptgewerbe und das Ausbaugewerbe konnten zuletzt noch auf ein Auftragspolster aus der Zeit vor Beginn der Corona-Krise zurückgreifen", sagt Jürgen Kilger, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Das begründe, dass noch weite Teile des Bauhandwerks ihre gegenwärtige Geschäftslage als gut oder zumindest befriedigend einschätzen. "Doch von einem bestehenden größeren Auftragsbestand oder Nachholeffekten können nicht alle Handwerksbetriebe profitieren. Es gibt auch eine Reihe von Handwerksgruppen, in denen die Geschäfte schlecht laufen. Umsatzausfälle werden verzeichnet, Kauf- und Investitionszurückhaltung führen zu erheblichen Einbrüchen", bilanziert Kilger. Schwach waren Auslastung und Umsätze vor allem im Kraftfahrzeuggewerbe, im Gesundheitsgewerbe und in den Handwerken für den privaten Bedarf.   

Betriebe rechnen nicht mit Ende der Krise

Beim Blick auf das kommende Quartal äußerten sich die Betriebe pessimistisch: Knapp ein Drittel der Betriebe gab an, dass die wirtschaftliche Talsohle aufgrund der Pandemie noch nicht erreicht sei. Jeder fünfte Betrieb rechnet mit einer Verschlechterung seiner wirtschaftlichen Lage im Laufe des Sommers, knapp ein Drittel mit weiteren Umsatzrückgängen. Erfreulich ist, dass 80 Prozent der Betriebe im laufenden Quartal ihre Mitarbeiterzahl nicht verändern wollen. "Das Handwerk steht weiter vor großen, zum Teil sogar existenziellen, Herausforderungen", so Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer. "Neben mittelstandsgerechten Maßnahmen zur Existenzsicherung im Bedarfsfall brauchen Handwerker vor allem eine Wiederbelebung der Nachfrage, auch von staatlicher Seite. Gleichzeitig bleibt die Fachkräftesicherung trotz sich verändernder Rahmenbedingungen weiter eine essentielle Herausforderung."





Kilger Jürgen

Jürgen Kilger

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