Sprachen über die Machenschaften krimineller Hacker und die Risiken für Handwerksbetriebe: (v. li. n. re.) Hauptgeschäftsführer Toni Hinterdobler, Präsident Dr. Georg Haber, IT-Spezialist Götz Schartner und AGU-Vorsitzender Armin Stöckel.
Foto Graggo
Sprachen über die Machenschaften krimineller Hacker und die Risiken für Handwerksbetriebe: (v. li. n. re.) Hauptgeschäftsführer Toni Hinterdobler, Präsident Dr. Georg Haber, IT-Spezialist Götz Schartner und AGU-Vorsitzender Armin Stöckel.

Tatort Internet: "Nur wer Bescheid weiß, kann sich schützen"

IT-Sicherheitsexperte Götz Schartner referiert bei AGU-Veranstaltung zu Cyberkriminalität

13. April 2017

Daten futsch, Konto geplündert, Ruf ruiniert: Jeder Betrieb ist potenzielles Opfer für Hacker - und die Zahlen steigen rasant. Auf der anderen Seite stehen IT-Spezialisten wie Götz Schartner. Der professionelle Hacker kämpft nicht nur gegen Kriminelle im Netz, er lässt auch andere an seinen Erfahrungen teilhaben: Auf Einladung der AGU, der Arbeitsgemeinschaft für Unternehmensführung im Handwerk e. V., zeigte er rund 120 Handwerkern, wie Cyberkriminalität funktioniert und wie man sich davor schützt.

Wie einfach es für Hacker sein kann, unerlaubt Zugriff auf fremde Computer, E-Mails, Webcams oder Handys zu nehmen, führte der Experte zunächst live vor. Da wurde binnen Sekunden das Smartphone zur Wanze, die Webcam zum Spion, mit falscher Identität eine SMS geschrieben oder ein Trojaner per Mail verschickt. Vermeintlich sichere Firewalls und Antivirensoftware umging Schartner dabei spielend und zeigte hautnah die Schwachstellen der Systeme auf.

Lösegeldforderungen, Datenverkauf, Identitätsklau

Dabei betonte er: "Wer denkt, mir passiert schon nichts, liegt falsch." Den Hackern gehe es meist gar nicht um spezielle Personen oder Firmen. Vielmehr durchforsteten sie zunächst wahllos Systeme nach Sicherheitslücken und überlegten erst dann, wie sich mit den gewonnenen Daten Geld verdienen ließe. Die Möglichkeiten dafür sind vielfältig:

  • Rechner mit Schadsoftware infizieren
  • Daten wie Bilder, Datenbanken oder Dokumente verschlüsseln
  • Lösegeld fordern sowie
  • Stehlen und Verkaufen von Daten wie E-Mail-Adressen, Passwörtern oder Geburtsdaten.

Eine weitere Betrugsvariante ist simples Tarnen und Täuschen mit gestohlenen digitalen Identitäten. Dabei kapern Betrüger beispielsweise die Identität des Betriebsinhabers und weisen einen Mitarbeiter per E-Mail an, dringend Geld zu überweisen.

Kurz bevor den geladenen Handwerkern im Saal allzu mulmig wurde, zeigte der IT-Spezialist schützende Handlungsmöglichkeiten auf. "Zunächst sollten Sie Risikomanagement betreiben und sich genau überlegen: Was würde mir oder meinem Betrieb wirklich wehtun? Welche meiner Daten brauchen besonderen Schutz? Was wird unternehmenskritisch?", erklärte Schartner und warnte vor vorschnellem Aktionismus. "Erst wenn Ihnen mögliche Risiken bewusst sind, können Sie gezielte Schutzmaßnahmen ergreifen."

Mitarbeiter schulen und sensibilisieren

Als wichtige Maßnahme nannte der Experte regelmäßige "Patches", also das Installieren und aktuell Halten von Software-Updates. Der Verzicht auf Flash- und Java-Software schränke ebenfalls Risiken ein. Außerdem riet Schartner zu professionellen Daten-Backups, nicht nur auf Festplatte. Eine professionelle Firewall und Antiviren-Software sei ebenso ratsam, wie das Verschlüsseln von Kennwörtern mittels spezieller Passwort-Management-Software. Den wichtigsten aller Tipps nannte Schartner zum Schluss: "Informieren Sie sich über Risiken und sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter." Denn nur wer ein gewisses Grundwissen zur Cyberkriminalität habe, könne sich davor schützen.

Dr. Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, musste nach dem Vortrag erst einmal durchschnaufen: "Um ehrlich zu sein, tröste auch ich mich oft mit dem Gedanken, dass es mich schon nicht treffen wird. Dass das ein Trugschluss ist, haben wir heute gelernt", so Haber. Die Chancen des Internets, die Chancen der Digitalisierung stünden außer Frage, doch seien wir alle ständig gefordert, den Gefahren der Cyberkriminalität ins Auge zu blicken und uns zu rüsten, betonte der Präsident.

Der AGU-Vorsitzende Armin Stöckel hoffte nicht nur, dass die geladenen Gäste künftig verantwortungsvoll mit ihrer IT umgehen, sondern auch auf neue Mitglieder des Vereins. "Wir sind ein Zusammenschluss von rund 200 Handwerksunternehmen und Führungskräften aus Ostbayern mit dem Ziel, unseren Mitgliedern aktuelle Informationen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu geben." In Seminaren, Betriebsbesuchen und Unternehmerreisen biete die AGU Netzwerke für unternehmerische Entscheidungen, Führungswissen und die Vertretung mittelständischer Interessen an.

 Ansprechpartner

Nicole Höcherl

Tel. 0941 7965-212
Fax 0941 7965-214
nicole.hoecherl--at--hwkno.de



 Informationen

Die AGU ist ein überfachlicher Zusammenschluss von rund 200 Handwerksunternehmen und Führungskräften aus Niederbayern und der Oberpfalz.



Auf Einladung der AGU referierte IT-Spezialist Götz Schartner darüber, wie uns Cyberkriminalität bedroht und wie wir uns davor schützen können.
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Auf Einladung der AGU referierte IT-Spezialist Götz Schartner darüber, wie uns Cyberkriminalität bedroht und wie wir uns davor schützen können.