Besonders bei Prüfungen mit Friseuren und Kosmetikern gelten strenge Hygienevorschriften.
Rolf Göbels, GFWH GmbH
Besonders bei Prüfungen mit Friseuren und Kosmetikern gelten strenge Hygienevorschriften.

Prüfen unter besonderen Bedingungen

Auf ehrenamtliche Prüfer ist auch in der Krise Verlass

Kurse wurden gestoppt, Lehrsäle und Werkstätten geschlossen, Prüfungen verschoben – die Corona-Krise hat das Bildungswesen im Frühling dieses Jahres hart getroffen. Auch in den elf ostbayerischen Bildungszentren der Handwerkskammer stand für sechs Wochen alles still. Zu Beginn der Pandemie war längst nicht klar, ob alle Auszubildenden, Meisterschüler und Weiterbildungsteilnehmer zeitnah ihre Abschlüsse machen können. Als im Mai der Kursbetrieb wieder schrittweise hochgefahren wurde, mussten vielfach neue Prüfungstermine organisiert werden. Das konnte nur gelingen, weil sich die Prüfer, die dieses Ehrenamt neben ihrer regulären Erwerbstätigkeit ausüben, zeitlich sehr flexibel zeigten.

1.500 Ehrenamtliche meistern Ausnahmesituation

Rund 5.500 Prüfungen wurden im Corona-Sommer im Zuständigkeitsbereich der Handwerkskammer abgelegt. Etwa 4.000 von Lehrlingen und 1.500 von Meisterschülern und kaufmännischen Weiterbildungsteilnehmern. Rund 1.500 ehrenamtliche Prüfer haben diese Situation zuverlässig und professionell gemeistert – trotz Hygiene- und Abstandsregelungen und daraus resultierenden erschwerten Bedingungen. Alle Prüfer wurden im Vorfeld über das eigens erarbeitete Hygiene- und Sicherheitskonzept der Handwerkskammer informiert. Bei einigen Prüfungen mussten infolgedessen Gruppen geteilt oder größere Räume gefunden werden. Vor allem bei Prüfungssituationen mit Friseuren und Kosmetikern, die direkt am Menschen arbeiten, waren die Vorgaben streng und die Arbeitsbedingungen ungewohnt. Doch sämtliche Ausnahmesituationen wurden gemeistert: Nahezu alle Prüfungen konnten termingerecht oder mit geringer Verspätung durchgeführt werden. Nur in Einzelfällen mussten Kurse abgesagt oder längerfristig verschoben werden. Besonders erfreulich: Alle Gesellenprüfungen konnten bis August absolviert werden, so dass alle Lehrlinge die Möglichkeit hatten, ihre Ausbildung regulär zu beenden.

Dank und Wertschätzung von Präsident und Hauptgeschäftsführer

Handwerkskammerpräsident Dr. Georg Haber betont seine Wertschätzung für das ehrenamtliche Engagement der Prüfer: „Sie haben bewiesen, dass man sich in Krisenzeiten auf sie verlassen kann. Der Fach- und Führungskräftenachwuchs ist auch im Corona-Jahr gesichert. Dafür bedanke ich mich nachdrücklich bei allen Prüfern, geschäftsführenden Stellen bei Kreishandwerkerschaften und Innungen sowie den Mitarbeitern der Kammer.“ HWK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Kilger fügt hinzu: Die Pandemiesituation habe einmal mehr gezeigt, wie sich das von den Kammern getragene öffentlich-rechtliche Prüfungswesen bewähre.

Ehrenamtliche Prüfer stets gesucht

Die ehrenamtlichen Experten im Prüfungswesen erfüllen eine wichtige Rolle. In den Meister- und Fortbildungsprüfungsausschüssen sowie in den Gesellen-, Umschulungs- und Abschlussprüfungsausschüssen sind sie es, die beurteilen, wer fähig ist, Geselle oder Meister zu sein. Bei der Weitergabe von Wissen an die nächste Generation und bei der Besetzung der wichtigen Prüfungsausschüsse ist die Erfahrung der Profis aus der Praxis unverzichtbar. Derzeit sind bei der Handwerkskammer rund 200 Gesellen- und Abschlussprüfungsausschüsse, 40 Fortbildungsprüfungsausschüsse und 36 Meisterprüfungsausschüsse bestellt. Um den Auszubildenden ihren Berufsabschluss zu ermöglichen und den Weiterbildungswilligen Aufstiegschancen zu öffnen, bedarf es großer personeller und organisatorischer Anstrengungen. Deshalb sucht die Kammer stets Ehrenamtliche, die sich dahingehend einbringen möchten.



Ansprechpartner

Florian Lang
Abteilungsleiter

Tel. 0941 7965-134
Fax 0941 7965-281134
florian.lang--at--hwkno.de



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Interview mit Bäckermeister und Mitglied im Meisterprüfungsausschuss Björn Pongratz aus Regen

Herr Pongratz, wie lange sind Sie schon ehrenamtlicher Prüfer und wie kam es dazu?

Ich mache das mittlerweile seit zwölf Jahren. Damals, zwei Jahre nach meinem Meisterkurs, hat mich der Prüfungsausschussvorsitzende Eckbert Huber angerufen und gefragt, ob ich Lust hätte künftige Meister zu prüfen. Anscheinend war ich ihm nach meinem Meisterkurs in guter Erinnerung geblieben. Das war für mich als junger Bäckermeister natürlich eine Riesenehre!

Sie mussten also nicht lange überlegen?

Nein und ich habe es bis heute nicht bereut. Als Prüfer trifft man jedes Jahr junge, engagierte Berufskollegen, die große Freude haben, an dem was sie machen. Dadurch entwickelt man sich auch selbst ständig weiter. Und auch der Austausch mit den Prüferkollegen ist eine riesen Bereicherung. Wir kommen alle aus verschiedenen Ecken in Ostbayern und würden wahrscheinlich sonst nie zusammenkommen.

Die Corona-Pandemie hat Prüfungssituationen verändert. Wie war das bei der diesjährigen Bäckermeisterprüfung in Straubing?

Zunächst mal musste sie wegen der Schließung der Bildungszentren im Lockdown um rund vier Wochen verschoben werden. Zudem wurden die Gruppen von acht auf nur vier Prüflinge verkleinert, um den Mindestabstand einhalten zu können. Und es galt natürlich Maskenpflicht. Das war schon schwierig für die Prüflinge und auch für uns, weil es ja sehr heiß ist, in der Backstube. Eine Teilnehmerin hatte anfangs Probleme, weil ihre Brille immer wieder anlief. Aber am Ende hat alles geklappt und wir mussten sonst am Prüfungsablauf zum Glück nichts ändern.

Wie sehen Sie Ihre Zukunft als ehrenamtlicher Prüfer?

Also ans Aufhören denke ich nicht. Es wird zwar immer schwieriger, in der Prüfungszeit mehrere Tage nicht im Betrieb zu sein, weil wir auch unter dem Fachkräftemangel leiden und zu wenige Mitarbeiter finden. Aber solange es irgendwie geht, mache ich weiter.

Bäckermeister Björn Pongratz aus Regen prüft seit 12 Jahren angehende Meister.
Pongratz
Bäckermeister Björn Pongratz aus Regen prüft seit 12 Jahren angehende Meister.