Aufnahme von Schreiner Thomas Hierbeck und seiner Frau
Franziska Hierbeck
Gemeinsam mit seiner Frau Bettina führt Schreiner Thomas Hierbeck sein Familienunternehmen: Beide schätzen die Vorteile von Vereinsmitgliedschaften im Handwerk.

Interview mit Thomas Hierbeck, Schreiner und neuer Vereinsvorsitzender der "AGU", aus Schöllnach, Landkreis DeggendorfNur gemeinsam stark

Verstaubt, spießig und nicht mehr zeitgemäß – solche Klischees haben viele im Kopf, wenn sie an Vereine denken. Dabei zählt der eingetragene Verein (e.V.) in Deutschland zu einem der häufigsten Gesellschaftsformen. Auch im Handwerk hat das Vereinswesen eine lange Tradition. Einer davon: Die Arbeitsgemeinschaft für Unternehmensführung im Handwerk e. V., abgekürzt "AGU". Als überfachlicher Zusammenschluss von rund 200 Handwerksunternehmen und Führungskräften aus der Niederbayern und der Oberpfalz, vertritt der eingetragene Verein seit 1973 die mittelständischen Interessen in der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik. Im Interview erzählt der kürzlich neu gewählte Vorsitzende Thomas Hierbeck, welche Vorteile Vereine wie die AGU Betriebsinhabern im Handwerk bieten.

Herr Hierbeck, herzlichen Glückwunsch zum neuen Amt. Seit wann sind Sie in der AGU? Wie kam es dazu?

Ich bin noch nicht lange dabei, 2019 kam ich zur AGU. Unser regionaler Kreishandwerksmeister hatte mich zu einer Versammlung eingeladen. Die angenehme Atmosphäre hat mir bei dem Treffen sehr gut gefallen, ich durfte tolle Persönlichkeiten kennenlernen. Schließlich haben mich die Vorteile einer Mitgliedschaft überzeugt.

Die da wären?

Im Gegensatz zur Handwerkskammer, die Lehrlinge und Arbeitnehmer auch vertreten muss, oder die Innungen, die nur für ein bestimmtes Gewerk zuständig sind, ist die AGU eine spezifische Anlaufstelle für alle Arbeitgeber im Handwerk, und das gewerkeübergreifend. Bei uns stehen Unternehmens- und Mitarbeiterführung zentral im Fokus. Danach richtet sich unser komplettes Angebotsspektrum aus. Vom Schreiner bis hin zum Friseur: Wir lernen interdisziplinär voneinander und ermöglichen den Blick über den Tellerrand hinaus. Ein großer Vorteil, wie ich finde.

Wie würden Sie die Vereinsatmosphäre beschreiben?

Bei uns geht es sehr gesellig und bodenständig, gleichzeitig aber professionell und konstruktiv zu. Jeder Arbeitgeber im Handwerk, egal ob klein oder größer, ist bei uns willkommen, auch die Ehepartner mitsamt der ganzen Unternehmerfamilie. Das Handwerk besteht ja quasi zu neunzig Prozent aus Familienunternehmen. Bei uns gilt, Firma ist gleich Familie, und umgekehrt. Logisch, dass wir diesen Aspekt in unserer Vereinsarbeit miteinfließen lassen. Noch dazu profitieren vom reichen Erfahrungsschatz der Senior-Unternehmer, die ihren Betrieb schon übergeben haben und mit aktuellen Themen sprechen wir auch die Nachfolgegeneration an. Selbst führe ich meinen Betrieb bereits in der fünften Generation und mit meinen Töchtern, steht die Sechste schon in den Startlöchern.

Was haben Sie sich als neuer AGU-Vorsitzender vorgenommen?

Mein Ziel ist es, den AGU-Spirit wieder aufleben zu lassen. Klar, aufgrund der Pandemie konnten unsere Veranstaltungen lange Zeit nicht wie gewohnt stattfinden. Doch genau davon lebt die AGU: Vom persönlichen Austausch. Die AGU hat schon immer Workshops und Seminare zu fachlich brisanten Arbeitgeberthemen für ihre Mitglieder abgehalten. Auch Betriebsbesichtigungen und Unternehmerreisen hatten wir vor der Pandemie im Programm. Das planen wir für 2022 wieder fest mit ein. Ich möchte, dass jedes Mitglied, gute Kontakte, brauchbaren Input und vor allem wertvollen Erfahrungsaustausch aus der AGU mitnehmen kann.

Nach dem Motto "kooperieren statt konkurrieren"?

Absolut. Als Handwerksunternehmer sitzen wir alle im selben Boot, nicht erst seit Corona. Unsere Branche steht vor großen Herausforderungen. Beispiel: Fachkräftemangel und Nachwuchsprobleme. Wir müssen uns gegen die Big Player und andere Wirtschaftszweige behaupten. Und das geht meiner Erfahrung nach nur gemeinsam, wenn wir Kräfte bündeln und uns gegenseitig unterstützen.

Sie engagieren sich seit vielen Jahren ehrenamtlich im Handwerk, sind seit 2017 Obermeister. Warum? Was bringt Ihnen das?

Man kann viel jammern, nur die Probleme sehen und sich beschweren, wichtig ist letztlich, dass sich etwas verändert und das kann es nur, wenn man sich aktiv einbringt. Wir Unternehmer sind "Macher" und packen an, doch einer allein kann nur wenig bewegen. Wir brauchen den Zusammenschluss, um wirklich Gewicht zu haben und unsere Forderungen voran treiben zu können. Nur so werden wir ernstgenommen. Und: Geteiltes Leid ist eben auch halbes Leid. Wenn man im Ehrenamt unterwegs ist, findet man oft ähnlich gestrickte Charaktere und Gleichgesinnte, mit denen man Sorgen, Ängste, aber auch Erfolge teilen kann. Das bestärkt und macht zufriedener.

Bleibt durch ihr ehrenamtliches Engagement Privates auf der Strecke?

Meine Frau arbeitet voll mit in unserer Schreinerei und führt auch das angegliederte Bestattungsinstitut. Die eigene Firma ist dadurch auch im Privatleben immer präsent und unser wichtigstes, gemeinsames Hobby. Sie ist seit kurzem auch Mitglied bei den Unternehmerfrauen. Wir haben beide erkannt, dass man mit der Beteiligung in Vereinigungen wie der AGU oder den Unternehmerfrauen das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden kann. Sprich Netzwerken, diskutieren und für den Berufsalltag lernen, das aber gleichzeitig in angenehmer, konstruktiver und geselliger Atmosphäre.

Informationen und aktuelle News zur AGU stehen unter www.hwkno.de/agu bereit. Interessierten steht das AGU-Sekretariat für Fragen zur Verfügung. Kontakt: Cornelia Michl, Telefon 0941/7965-159, E-Mail cornelia.michl@hwkno.de

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