Die Meisterkursschüler im Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk und ihre Meisterstücke wurden wieder nach strengen Vorgaben geprüft
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Die Meisterkursschüler im Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk und ihre Meisterstücke wurden wieder nach strengen Vorgaben geprüft, unter anderem von Marion Zuckmantel (1. v. li.), Robert Reiter (2. v. li.), Josef Schlögl (2. v. re.) und Andreas Beckerle (1. v. re.).

Meisterstücke in Farbe und Form

Angehende Fliesen-, Platten- und Mosaiklegermeister absolvierten ihre praktische Prüfung.

26. Februar 2020

Können laut ihren Prüfern zurecht stolz auf ihre Arbeit sein: Zwölf angehende Fliesen-, Platten- und Mosaiklegermeister absolvierten letzte Woche ihre praktische Prüfung im Bildungszentrum der Handwerkskammer in Straubing. Und die hatte es in sich, denn die Aufgabenstellung war anspruchsvoll: Die Prüflinge sollten eine knapp einen Meter hohe, standsichere Vogeltränke in runder oder gebogener Form mit zwei höhenversetzten Wasserebenen für einen Garten anfertigen. Auch das Erstellen von Planungs- und Dokumentationsarbeiten für den vermeintlichen Bauherrn gehörte zur Prüfungsaufgabe. "Gerade im Fliesenlegerhandwerk ist der Sicherheitsaspekt enorm wichtig", betonte Kursleiter Andreas Freundorfer. "Deshalb war auch die Wiedereinführung der Meisterpflicht in diesem Gewerk der richtige Schritt. Der hohe Anspruch an einen Fliesenlegermeister wurde in diesem Kurs wieder einmal besonders gut ersichtlich und von den diesjährigen Prüfungsteilnehmern mit Bravour erfüllt."

Fliesenleger als attraktiver Beruf mit Zukunft

Dass die Prüflinge für ihren Beruf brennen, spiegelten nicht nur die angefertigten Meisterstücke wider, auch im Gespräch, auf die Frage nach dem Grund ihrer Berufswahl und ihren beruflichen Zukunftsplänen, kamen die Kursteilnehmer ins Schwärmen. So erzählte Marcel Pangerl aus Deggendorf, dass er bereits in Australien und Neuseeland als Fliesenleger gearbeitet habe. "Mein Beruf ist Kunst. Ich sehe jeden Abend nach der Arbeit, was ich geschafft habe und darauf bin ich sehr stolz", so der 29-jährige, der sich gut vorstellen kann, mit seinem Meisterbrief nochmal ins Ausland zu gehen, um dort seinen eigenen Betrieb zu gründen. Auch den Meisterkursbesten Simon Baumann aus dem baden-württembergischen Eggingen zieht es in die Selbstständigkeit: "Für mich steht schon länger fest, dass ich den elterlichen Betrieb übernehmen werde. Deshalb auch die Entscheidung für den Meistertitel, damit habe ich die perfekte Grundlage für mein Vorhaben." Dem 25-jährigen Fliesenleger, der zuvor ein Studium zum Maschinenbauingenieur abgeschlossen hatte, gefällt an seinem Beruf vor allem, dass der Job so kreativ und abwechslungsreich ist. Auch beim 31-jährigen Kursteilnehmer Udo Tolksdorf aus Windorf, Landkreis Passau, waren das die entscheidenden Gründe, weshalb er sein Lehramtsstudium nach elf Semestern abgebrochen und sich lieber für eine Ausbildung und nun für den Meistertitel im Fliesenlegerhandwerk entschieden hat: "Kein Tag ist wie der andere. Dieses Gefühl, wenn man eine Baustelle gut abgeschlossen hat, ist so unbeschreiblich gut." Mit dem Meistertitel habe er sein Können und Wissen noch mehr vertieft. Das bestätigt auch Kursleiter Andreas Freundorfer: "Der Meister ist und bleibt ein Qualitätssiegel. Wir halten die Anforderungen in unseren Kursen bewusst hoch."

Teilnehmer des Meisterkurses 2019/2020
  • Dominik Baumann, 93055 Regensburg
  • Simon Baumann, 79805 Eggingen
  • Bastian Dirschl, 93098 Mintraching
  • Tobias Eichl, 92361 Berngau
  • Silvester Hiller, 92331 Parsberg
  • Maximilian Kies, 92224 Amberg
  • Anton Ostler, 82467 Garmisch-Partenkirchen
  • Marcel Pangerl, 94469 Deggendorf
  • Andreas Rottmaier, 84048 Mainburg
  • Robert Schuhn, 85395 Attenkirchen
  • Manfred Seidl, 94253 Bischofsmais
  • Udo Tolksdorf, 94575 Windorf


Interview mit Udo Tolksdorf

Der 31-jährige, angehende Fliesenlegermeister Udo Tolksdorf aus Windorf, Landkreis Passau, absolvierte seine praktische Meisterprüfung im Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk und erzählt von seinem ungeplanten Weg ins Handwerk.

Herr Tolksdorf, Ihr Werdegang ist doch etwas ungewöhnlich. Erzählen Sie doch bitte kurz.

"Ursprünglich hatte ich den Wunsch Gymnasiallehrer für Sport, Englisch und Französisch zu werden. Also ging es nach dem Abitur direkt weiter an die Uni für mich. Dort studierte ich auch elf Semester für meinen vermeintlichen Traumberuf. Nebenbei jobbte ich immer mal wieder bei einem Fliesenlegerbetrieb in Vilshofen, beim dem ich schon als Schüler ab und an aushalf. Nicht nur, dass mir das handwerkliche Arbeiten dort immer großen Spaß gemacht hat, auch geht es in diesem Betrieb sehr familiär zu, was mir persönlich enorm wichtig ist. Irgendwann wuchs die Leidenschaft für dieses Handwerk so sehr, dass ich mich bewusst entschied, in besagten Fliesenlegerbetrieb miteinzusteigen. Ich wollte kein Lehrer mehr werden, brach mein Studium ab - obwohl ich gut war - und entschied mich für eine Handwerkskarriere. Erst schloss ich die Ausbildung ab, dann wollte ich noch meinen Meister machen."

Was macht Ihnen an Ihrem Beruf als Fliesenleger so großen Spaß?

"Mein Beruf ist unglaublich abwechslungsreich und vielfältig. Außerdem schätze ich den Kontakt zu Menschen sehr. Gut - das hätte man als Lehrer auch. Aber wesentlich ist für mich auch dieses wahnsinnig tolle Gefühle, wenn ich eine Baustelle mitgestalten und gut abschließen kann. Das gibt mir so viel Zufriedenheit. Etwas Nachhaltiges mit den eigenen Händen erschaffen, einen Auftrag gut abschließen und den Auftraggeber glücklich zu sehen - ich denke, das ist es, was ich an meinem Beruf so sehr liebe. Auch privat hat es Vorteile, wenn man Handwerker ist - du kannst dir selber helfen. Gerade am Bau ist das Gold wert."

Warum haben Sie sich entschieden einen Meisterkurs zu machen. Hätte eine Ausbildung nicht gereicht?

"Ich wollte mein Wissen und Können unbedingt vertiefen. Nicht nur in Bezug auf die handwerkliche Komponente. Im Meisterkurs erlernt man beispielsweise auch betriebswirtschaftliches Know-how. Eben alles, was für diesen Beruf wichtig ist und was man zum Führen eines Betriebs wissen muss. Außerdem ist der Meistertitel enorm angesehen. Auch im Ausland."

War es aus Ihrer Sicht richtig, die Meisterpflicht in Ihrem Gewerk wiedereinzuführen?

"Definitiv. Fliesenleger tragen schließlich viel Verantwortung, gerade in puncto Sicherheit, genau wie alle anderen Baugewerke. Die Meisterpflicht garantiert, dass die Qualität weiterhin hochgehalten wird und schützt so auch in erheblichem Maß den Verbraucher."

Welche beruflichen Pläne haben Sie für die Zukunft? Möchten Sie sich selbstständig machen?

"Im Moment noch nicht. Ich bin sehr glücklich bei dem Fliesenlegerbetrieb in Vilshofen, für den ich arbeiten darf. Ich möchte in und mit diesem Betrieb weiterhin erfolgreich sein und arbeiten. Ich habe meine Erfüllung gefunden: Ich darf im schönsten Beruf der Welt tätig sein. Das reicht mir im Moment erst mal. Aber natürlich, mit dem Meistertitel stehen mir alle Karrieretüren offen. Mal sehen, wie es in ein paar Jahren beruflich für mich weitergeht. Erst einmal freue ich mich über die bestandene praktische Meisterprüfung."

 Ansprechpartner

Andreas Freundorfer
Kursleiter Fliesenleger

Tel. 09421 975-151
Fax 09421 975-286151
andreas.freundorfer--at--hwkno.de



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 Weitere Informationen

Den nächsten Meisterkurs im Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk bietet die Handwerkskammer ab Oktober 2020 in Straubing an.
www.hwkno-bildung.de



Marcel Pangerl ist froh, seinen Meistertitel in der Tasche zu haben.
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Marcel Pangerl aus Deggendorf ist froh, seinen Meistertitel in der Tasche zu haben. Die nächste Herausforderung wartet eventuell schon auf ihn: ein eigener Betrieb im Ausland.



Udo Tolksdorf hat sein Lehramtsstudium abgebrochen und freut über seine Zukunft im Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk.
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Hat sein Lehramtsstudium abgebrochen, um seiner Leidenschaft nachzugehen: Nun freut sich der 31-jährige Udo Tolksdorf aus Windorf über seine Zukunft im Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk.