Glücklicherweise verzeichnete das Elektro-Handwerk - trotz Corona - bislang keinen großen Auftragsrückgang.
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Glücklicherweise verzeichnete das Elektro-Handwerk - trotz Corona - bislang keinen großen Auftragsrückgang.

Handwerk ist verlässlichster Partner im Wirtschaftsgefüge

Kreishandwerksmeister Alfred Kuttenlochner spricht über die Auswirkungen der Pandemie für die Betriebe seiner Region.

Das Corona-Virus verändert die Wirtschaft. Auch die Handwerksbetriebe in der Region stehen vor neuen Herausforderungen. Landshuts Kreishandwerksmeister und Obermeister der Innung für Elektro- und Informationstechnik Alfred Kuttenlochner spricht über die Lage der Handwerker und die Herausforderung für die Verbandsarbeit während der Pandemie.

Sie führen einen Elektrotechnikbetrieb in Eching-Kronwinkl. Wie wirkt sich Corona auf ihren Betrieb aus? Was hat sich verändert?

"Seit Beginn der Pandemie hat sich bis jetzt in Bezug auf unsere Tätigkeit auf den Baustellen wenig verändert. Festzustellen ist, dass in den einzelnen Gewerken unterschiedliche Vorgaben seitens der Firmenverantwortlichen in Bezug auf die Hygienevorschriften ausgegeben werden. Trotzdem wird auf den Baustellen, soweit möglich, auf den erforderlichen Abstand untereinander geachtet. In unserem Betrieb hat nur ein Kunde wegen der Pandemie den Termin auf später verschoben."

Wie ist die aktuelle wirtschaftliche Lage in den Betrieben Ihrer Kreishandwerkerschaft und Ihrer Innung?

"Bislang konnten wir im Elektro-Handwerk keinen großen Auftragsrückgang verzeichnen. Bei der letzten Vorstandssitzung der Kreishandwerkerschaft unter Corona-Bedingungen hat der Obermeister der Metallinnung, Klaus Loibl, berichtet, dass vereinzelt Metallbetriebe Probleme haben, die zum größten Teil Aufträge der Autoindustrie abarbeiten. Hier sind die Aufträge eingebrochen und auch vereinzelt Kurzarbeit beantragt worden. Nach meiner Einschätzung wird sich das Auftragsvolumen der Handwerksbetriebe dann ab Herbst 2020 verringern. In welchem Umfang das geschehen wird, hängt davon ab, wie sich das Hilfspaket des Bundes auswirken wird und ob es greift."

Welche Bedeutung hat das für die Region? Stichwort: Handwerk ist Stabilitätsanker im ländlichen Raum?

"Hier beweist sich wieder, dass das Handwerk in seiner Gänze der verlässlichste Partner im ganzen Wirtschaftsgefüge darstellt. Leider wird das nur immer dann gesehen, wenn die Wirtschaft sich in einem unvorhergesehenen Ausnahmezustand befindet. Die Handwerksbetriebe versuchen – wie immer – diese Zeit zu überbrücken, um mit ihrem Mitarbeiterstamm aus diesem Tal herauszukommen."

Umfassende Soforthilfen von Bund und Ländern sollten Insolvenzen vermeiden. Doch für viele reichen sie nicht. Wo sehen Sie weiteren Unterstützungsbedarf seitens der Politik?

"Was mir am meisten zu denken gibt, ist, dass die gesamte bayerische Wohlfühlkultur sehr leidet. Ich nenne hier nur ein paar besonders betroffene Zweige wie Gastronomie, Volksfeste, Kulturveranstaltungen, Breitensport, Vereinsfeste, Kirchen und vieles mehr. Das 130 Milliarden schwere Hilfspaket der Bundesregierung wird hier zwar einiges abmildern, aber bei Weitem nicht alle Betroffenen helfen können. Es wird auf alle Fälle erforderlich sein, dass bei einer Schieflage eines Betriebes die Banken zusammen mit der KfW Lösungen finden, die eine mögliche Insolvenz verhindern. Vom Staat können mit Sicherheit nicht alle Hilfen für die angeschlagenen Betriebe geleistet werden."

Schwer ist es für die meisten Betriebe. Gibt es aber auch die Möglichkeit, die Krise zu nutzen? Und wenn ja, wie?

"Ich sehe wenig Möglichkeiten, eine Krise wie diese zur kompletten Neuausrichtung eines Betriebs zu nutzen. Was wir aber sehen, ist, dass verschiedene Sparten der aktuellen Nachfrage nicht mehr hinterherkommen. Beispielsweise Swimmingpool-Anbieter oder Fahrradgeschäfte. Hier ist durch Homeoffice und mehr Freizeit zu Hause enormer Bedarf entstanden. Von der Herstellung von Mund-Naseschutz und Desinfektionsmittel ganz zu schweigen."

Als Kreishandwerksmeister vertreten Sie die Interessen der Betriebe Ihrer Region. Vieles läuft dabei über persönliche Gespräche, doch Social Distancing ist das Gebot der Stunde. Was sind dabei die größten Herausforderungen für Ihre Verbandsarbeit und wie lösen Sie das?

"Vor allem am Anfang der Pandemie war es unsere Aufgabe, dass die Informationen der Bayerischen Staatsregierung weitergegeben werden. Das mussten wir unbedingt sicherstellen. Durch mein großes Netzwerk als Gemeinderat, CSU-Mitglied in der Kreisvorstandschaft, Mitglied der Mittelstandsunion der CSU und noch einiges mehr hatten wir immer Informationen aus erster Hand zur Verfügung, um den Betrieben zur Seite stehen. Und natürlich sind im Moment Video-Konferenzen aus der Verbandsarbeit nicht mehr wegzudenken. Hier ist es erforderlich, dass die technische Ausstattung zur Verfügung steht und der Ausbau der Glasfaser-Infrastruktur weiter ausgebaut wird. Doch das Verbandsleben ist durch eine Videokonferenz in keinem Fall zu ersetzten. Denn: Der persönliche Austausch zwischen den einzelnen Handwerkszweigen ist nur bei Veranstaltungen wie Innungsversammlungen, Schulungen, Fachtagungen oder Freisprechungsfeiern möglich. Um nur ein paar Beispiele zu nennen."

Sie sind seit Jahren aktiv an der Landshuter Hochzeit beteiligt und spielen hobbymäßig Theater. Dank Corona, alles nicht möglich. Was vermissen Sie persönlich aufgrund der Einschränkungen am meisten?

"Das Treffen mit Freunden und Gleichgesinnten, also den persönlichen Austausch bei einem gemütlichen Ratsch, das vermisse ich am meisten. Vor allem tut es mir in der Seele weh, dass die Landshuter Hochzeit, bei der ich als Zunftgruppenführer einer Gruppe von 115 Handwerkern vorstehe, auf das Jahr 2023 verschoben werden musste. Doch natürlich ist diese Entscheidung nachvollziehbar.  Was ich ebenfalls bedauere ist, dass man eine gewisse Angst vor Annäherung an andere Menschen feststellt. Zum Beispiel bleiben Viele lieber zuhause als in ein Wirtshaus zugehen."

Angenommen, die Pandemie ist überstanden und ein Impfstoff gefunden. Mit Blick in die Zukunft – was wird das Handwerk aus der Krise gelernt haben?

"Das Handwerk wird die Erkenntnis erlangen, dass wir immer zur Verfügung stehen, dass wir alle unsere gestellten Aufgaben trotz der Corona-Pandemie erledigt haben. Vielleicht erkennt so der Kunde, dass der Internethandel keine Montagen anbietet, dass der Internethandel keine Reparaturen ausführen kann, dass bei Stromausfall nicht mal mehr das Internet funktioniert. Ich hoffe, dass durch die Krise ein Umdenken im Umgang mit dem Handwerk in der Bevölkerung und auch bei der Politik herbeigeführt wird."

Kreishandwerksmeister Alfred Kuttenlochner spricht über die Auswirkungen der Pandemie für die Betriebe seiner Region.
Kuttenlochner/ Rolf Poss Fotoarchiv Bay. Landtag
Kreishandwerksmeister Alfred Kuttenlochner spricht über die Auswirkungen der Pandemie für die Betriebe seiner Region.