In der Tüftler-Werkstatt von Johann Moissl: HWK-Präsident Dr. Georg Haber und HWK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Kilger.
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In der Tüftler-Werkstatt von Johann Moissl: (v.li.n.re.) HWK-Präsident Dr. Georg Haber und HWK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Kilger besuchten den Betriebsinhaber in Kröning.

Ein Erfinder, der aus dem Handwerk kommt

Betriebsbesuch bei Johann Moissl in Kröning

Im handwerklichen Alltag ergeben sich oft Herausforderungen, die einer Lösung bedürfen. Johann Moissl, Inhaber des gleichnamigen Betriebs, löst sie. Der gelernte Maschinenbaumechaniker-Meister und Zweiradmechaniker-Meister aus Kröning im Landkreis Landshut ist nicht nur Handwerker, sondern auch Tüftler und Erfinder. "Ich denke gerne außer der Reihe und sehe sofort, wenn man etwas besser machen kann." In seiner 40-jährigen Berufslaufbahn hat er schon viele Male das Bedürfnis verspürt, Dinge zu optimieren. So ist auch sein Prüfgerat für Dübel-Auszugswerte namens "MOment" entstanden, für das er heuer auf der Internationalen Handwerksmesse in München den "Bundespreis für hervorragende innovatorische Leistungen für das Handwerk" bekommen hat. HWK-Präsident Dr. Georg Haber und HWK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Kilger haben ihn nun in seiner Werkstatt besucht.

Johann Moissl hat 1993 seine Werkstatt mit dem Schwerpunkt Balkonbau gegründet. "Auszugswerte und Traglasten beschäftigen mich dabei tagtäglich. Besondere Kundenwünsche sind oft speziell und individuell. Die muss man dann umsetzen können." Heute ist der Betrieb spezialisiert auf Lösungen im Bereich der Bohr- und Befestigungssysteme. Eine Errungenschaft Moissls ist der "MOtherm", ein speziell für Lochziegel, Wärmedämmziegel und Kalksandstein entwickelter Dübel mit enormer Tragkraft bei simpler Montage. Mit "MOtor" hat der Handwerker außerdem einen Spezialbohrer erfunden, mit dem sich auch in filigranste Wärmeschutzziegel bohren lässt, ohne dass die dünnen, innenliegenden Ziegelwände beschädigt werden. Ebenso ein Balkonbefestigungssystem geht auf seine Kappe: der Balkonanker "MOnolith" wird anstatt einer Bodenplatte aus Beton verwendet und ermöglicht so das leichte Nachrüsten eines Balkons.

Seine Entwicklungen lässt er, bevor er sie zur Marktreife führt, von einem Patentforscher prüfen. "Wenn es ein solches Produkt schon gibt, verfolge ich meine Idee nicht weiter." Und Ideen kommen ihm schnell in den Sinn, erste Lösungs- und Umsetzungsansätze stehen oft schon nach drei Tagen. Eine Herausforderung sei allerdings die Vermarktung. "Ich bin Entwickler und kein Vertriebler", so Moissl. Für kleine Betriebe sei es oft schwer an die großen Konzerne ranzukommen, moniert er. Auszeichnungen wie den Bundespreis sehe er dabei als Hilfe, "um eine gewisse Öffentlichkeit zu erreichen".

Seine Kreativität hat man ihm bereits mehrfach bescheinigt, unter anderem die Fachmesse der Verbindungs- und Befestigungsbranche "Fastener Fair" in Stuttgart. Dort hat sein Dübel den zweiten Platz erobert. Oder auch die Erfindermesse "iENA" in Nürnberg, die seine "Wanderweide" mit der Goldmedaille prämiert hat. Als Pferdehalter ist ihm die Idee eines mobilen, stapelbaren Weidezaunes für Freilandvieh gekommen, der sich unter Strom setzen lässt. Aber auch andere Alltagsprobleme fern seines eigentlichen Handwerks löst Moissl: Zum Beispiel mit einem Wäscheständer, auf den sich Kleidungsstücke von der Seite aufhängen lassen oder seinem selbst umgearbeiteten Rasenkantenschneider, dessen Akku nun bis zu dreimal so lange hält.

Für sein Messgerät für Dübel-Auszugswerte bekam Johann Moissl den Bundespreis auf der IHM 2018 verliehen.
Johann Moissl UG
Für sein Messgerät für Dübel-Auszugswerte bekam Johann Moissl den Bundespreis auf der IHM 2018 verliehen.



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