Josef und Irene Rosenhammer führen seit über 40 Jahren den Betrieb Fahrrad Rosenhammer in Regensburg.
Florian Hammerich
"Ohne meine Frau würde gar nichts gehen" - Josef und Irene Rosenhammer führen seit über 40 Jahren den Betrieb Fahrrad Rosenhammer in Regensburg.

Die Leute holen die Räder aus dem Keller

Im Gespräch mit Zweiradmechanikermeister Josef Rosenhammer aus Regensburg

"Mehr Reparaturen", sagt Josef Rosenhammer spontan auf die Frage was sich seit der Corona-Krise verändert hat. "Kunden kommen mit Rädern, die jahrelang unbenutzt im Keller waren, mit Dreck und Speck daran und wollen sie generalüberholen lassen", lacht der Zweiradmechanikermeister, Inhaber von Fahrrad Rosenhammer in Regensburg.

Frühmorgens vor Ladenöffnung treffen wir ihn in seiner urigen Werkstatt im Stadtnorden. Seit über 80 Jahren werden hier Fahrräder repariert und verkauft. Kontraste prägen das Bild: Alte, hölzerne Werkstattmöbel neben hochmodernen Rennrädern, Mountainbikes und Pedelecs. Neueste Technik in altehrwürdigen Räumen. Schon im Jahr 1936 machte sich Josef Rosenhammer senior in der Nähe von Straubing mit einer Zweiradwerkstatt selbstständig. Drei Jahre später folgte die Umsiedelung nach Regensburg. Unten im Erdgeschoss das Geschäft, oben im ersten Stock die Wohnräume der Familie. So ist es bis heute. 1976 übernahm der jetzige Inhaber, der damals 27-jährige Josef Rosenhammer junior den Betrieb. Nach einem kurzen Umweg mit einer Lehre als Autoelektriker entschied er sich, doch in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Er machte eine Mechaniker-Ausbildung und später den Meister. Mittlerweile umfasst sein Betrieb Fahrräder aller Modelle und Preisklassen, eine große Auswahl an Zubehör und ein Gebrauchtfahrrad-und Ersatzteillager auf über 250 Quadratmetern Verkaufsfläche.

28.000 Kilometer auf dem Fahrrad-Tacho

Auch wenn die Räume seit langem dieselben sind, hat sich über die Jahre viel getan bei Fahrrad Rosenhammer. Verkaufsraum und Werkstatt wurden nach und nach erweitert, ein Ausstellungsraum gebaut, Motorräder mit ins Repertoire aufgenommen, bis zu acht Mitarbeiter beschäftigt. Mittlerweile sind die Motorräder passé und Rosenhammer betreibt sein Geschäft in kleinerem Rahmen zusammen mit seiner Frau Irene. "Eigentlich wäre ich ja schon im Rentenalter", sagt der 70-jährige, "aber so lange ich gesund bin, mache ich weiter." Das Rentenalter merkt man dem sportlichen und rüstigen Handwerksmeister nicht an. Vielleicht weil sich laut ihm Hobby und Beruf vermischen. Das Fahrrad ist nicht nur beruflicher Mittelpunkt. Auch privat, gerade jetzt zu Corona-Zeiten, schwingt er sich fast täglich auf den Sattel. Früher mit Rennrad oder Treckingrad, mittlerweile mit dem Pedelec. "Ich habe mich lange geweigert elektrisch zu fahren", grinst er "aber jetzt finde ich es toll." Rund 28.000 Kilometer hat er nach eigenen Berechnungen in seinem Leben schon per Rad zurückgelegt.

Vollbluthandwerker und Tüftler

Langstreckenfahrer ist Rosenhammer auch beruflich. "Wer über 45 Jahre lang einen Beruf ausübt, muss natürlich am Ball bleiben", bemerkt er. Deshalb sei ihm immer wichtig gewesen, sich weiterzubilden. Zu Anfangszeiten des Betriebes herrschte kaum Vielfalt auf dem Zweiradmarkt. Mittlerweile gibt es Cross-Bikes, Rennräder, Mountainbikes, Lastenräder, Laufräder, Pedelecs, Tourenräder, E-Bikes und, und, und. "Das hat die Reparaturen natürlich komplexer gemacht. Mittlerweile läuft vieles über den Computer, zum Beispiel Fehler auslesen", erklärt der Fahrrad-Fachmann. Reparaturen sind sein Hauptgeschäft. "Für den Verkauf habe ich zu viel Konkurrenz", stellt er pragmatisch fest. In der Werkstatt macht dem Vollbluthandwerker kaum einer etwas vor. Egal ob eine Schaltung spinnt, ein Tretlager kaputt ist oder die Lichtanlage nicht funktioniert - Rosenhammer findet die Lösung. "Ich bin ein Tüftler", beschreibt er seinen Arbeitscharakter. "Es macht mich fuchsteufelswild, wenn ich was nicht hinkriege. Das fuchst mich so lange, bis es geht. Wenn nötig mit der passenden Schimpfbegleitung", lacht er.

Auch in der Freizeit will Rosenhammer nicht auf der Stelle treten. "Mein neuestes Hobby ist Stand up Paddling", erzählt er mit Begeisterung in den Augen. Ihm sei wichtig, immer wieder Neues zu probieren. Umtriebig war der stolze Vater von zwei Töchtern schon immer: Stockschießen im Verein, Engagement im Vorstand der Innung und Nordic Walking gehören zu seinen langjährigen Aktivitäten. Doch sein größtes Herzblut steckt im Betrieb. Ans Aufhören denkt er nicht. "Mei, irgendwann mache ich das Geschäft zu und baue den Verkaufsraum zur Hobbywerkstatt um. Dann flick‘ ich halt nur noch Löcher oder mache neue Ketten rein, das geht mit 85 auch noch. A bisserl was kann man immer machen."

 Weiterführende Informationen

Konjunkturbericht zur Lage des ostbayerischen Handwerks im 2. Quartal 2020

Das Handwerk ist und bleibt Stabilitätsanker in der Region