In seiner Produktionshalle in Kleingern fertigt der Schreiner meist alleine die begehrten halbrunden Rampen.
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In seiner Produktionshalle in Kleingern fertigt der Schreiner meist alleine die begehrten halbrunden Rampen.

Der "Halfpipe-Gott" aus Niederbayern

Im Gespräch mit Andreas Schützenberger Skateboardrampenbauer aus Kleingern.

Niemand würde in dem 100-Seelen-Ort Kleingern östlich von Passau das Epizentrum des europäischen Skateboardrampenbaus vermuten. Am Rande des kleinen niederbayerischen Dörfchens befindet sich in einer Halle das Reich von Andreas Schützenberger. Der 47-Jährige konzipiert und baut dort im großen Stile Anlagen, die die Fans des hölzernen Bretts glücklich machen. "Mr. Wood", wie ihn einst ein Filmemacher nannte, ist seit über zwei Jahrzehnten im Geschäft. Und keiner ist erfolgreicher als er: Als es darum ging, Jugendlichen in Afghanistan eine neue Perspektive zu geben, baute ihnen Andreas Schützenberger eine Skaterrampe. Ohne Honorar. Auch für den Sohn eines russischen Oligarchen war er bereits als Rampenbauer im Einsatz. In Moskau fertigte er die größte Hallenrampe der Welt. Rund eine Million Euro Jahresumsatz macht der Niederbayer mit seinen Firma IOU Ramps. Skaterszene begann vor 27 Jahren - mit einer Schreinerlehre.

"Damals habe ich meine Lust am Skateboarden entdeckt", erinnert sich der Unternehmer, der bis heute meist allein arbeitet und nur für einzelne Projekte freie Mitarbeiter engagiert. In seiner Freizeit bastelte er sich damals als Lehrling seine erste Rampe. Gemeinsam mit Skater-Freunden stellte er Anlagen in Passau auf, die aber nach kurzer Zeit wieder weichen mussten. In der Szene allerdings machte er sich schnell einen Namen. Und so kam eins zum anderen: Er gründete seine Firma, nach und nach erreichten ihn immer mehr Anfragen. Rund eine Million Schrauben versenkt der Schreiner mit dem besonderen Kundenkreis jedes Jahr, um Träume und Wünsche der Skateboarder-Gemeinschaft zu erfüllen. Über 1.200 Rampen hat Schützenberger in den vergangenen zwei Jahrzehnten gefertigt. Es sind die besonderen Orte, die ihm in Erinnerung bleiben: "Eine meiner Anlagen stand direkt auf dem Roten Platz in Moskau. In Mekka war meine Rampe an einem Ort aufgebaut, den ich als Christ gar nicht betreten durfte", sagt er. Seit 2017 ist die Oslo Skatehall in Norwegen abgeschlossen. Diese Skatehalle wurde zum Sportgebäude des Jahres nominiert und ist mit seinem stehendem Bowl etwas ganz Besonderes.

Nicht jeder Auftrag ist so exotisch Zu seinen Kunden gehören auch viele Kommunen in Deutschland, die für die örtliche Jugend einen Skatepark bauen wollen. Außerdem arbeitet er am "Institut für Normierung" an den rechtlichen Baubestimmungen mit, die Skateranlagen in Deutschland erfüllen müssen. Auch dafür gibt es eine Norm, die DIN 14974-2006. Über das Erfolgsgeheimnis der ultimativen Rampe lässt er sich der kreative Kopf so viel entlocken: "Die Rampe und die Elemente müssen stimmig angeordnet sein." Wer nutzt die Anlage? Anfänger, Profis, BMX-Biker? Wie ist der Boden beschaffen? Woher kommt die Sonne? Neben solchen technischen Details ist es aber vor allem die Leidenschaft für seinen Beruf, die ihn erfolgreich macht. Davon ist Andreas Schützenberger überzeugt. Bis heute ist das Skateboard das Brett, das für ihn die Welt bedeutet. "Das Miteinander mit den Kids zu erleben, ihre Begeisterung zu spüren, das ist es, was mich antreibt", sagt der 46-Jährige, der auch selbst noch fährt. Vor seiner Halle im niederbayerischen Kleingern bei Passau grüßt eine eigene Rampe die Gäste aus aller Welt.

Schuetzi
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Hat Grund zum Strahlen: Der 47-jährige Andreas Schützenberger verkauft seine selbstgefertigten Skateboardrampen in die ganze Welt.



Beeindruckender Bau: Vor der Halle begrüßt die eigene Halfpipe die Besucher.
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Beeindruckender Bau: Vor der Halle begrüßt die eigene Halfpipe die Besucher.