Kommentar von Präsident Dr. Georg Haber zur Landtagswahl 2018.
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Dr. Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz: "Wir brauchen jetzt zügig eine Regierungsbildung."

Das Handwerk ist in aller Munde

Statement des Präsidenten Dr. Georg Haber zum Jahreswechsel.

20. Dezember 2018

Der Blick auf das Handwerk ist im Wandel. Vor einigen Jahren oft noch unterschätzt und als überregional unbedeutend abgestempelt, ist das Handwerk heute in aller Munde - zu Recht. Denn, wer würde das verstopfte Rohr freikriegen, das Auto wieder fahrtüchtig machen oder uns mit frischen Semmeln versorgen, wenn nicht das Handwerk. Und die "Wirtschaftsmacht von nebenan", wie die Imagekampagne des deutschen Handwerks das Handwerk nennt, kann noch viel mehr: sie deckt den Bedarf an Dienstleistungen und Produkten vor Ort, bietet Ausbildungs- und Arbeitsplätze, liefert komplexe und innovative Lösungen und ist wichtiger Partner der Industrie. Kurz gesagt: das Handwerk sorgt für Lebensqualität.

Studien belegen Erfolg des Handwerks

Das belegt auch der Bildungsmonitor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Die Studie hat geprüft, welchen Beitrag das Bildungssystem leistet, um Wohlstand zu sichern, Aufstiegsmöglichkeiten für den Einzelnen zu schaffen und Teilhabe zu gewährleisten. Bei der beruflichen Bildung liegt Bayern an der Spitze. Gerade das Handwerk in Ostbayern, mit 38.000 Betrieben, leistet hier einen wesentlichen Beitrag.

Eine andere Erhebung des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk (ifh) an der Universität Göttingen besagt: Das Handwerk sorgt für Stabilität im ländlichen Raum. Vier von fünf Kreisen mit dem deutschlandweit höchsten Handwerkeranteil liegen in Niederbayern und der Oberpfalz, nämlich Weiden, Neumarkt, Rottal-Inn und Straubing-Bogen. Unsere Region ist also "Handwerkerland". Das heißt: hier sind nicht nur die Ausbildungsquoten höher und die Menschen weniger von Armut betroffen, sondern auch die Bevölkerungsentwicklung ist langfristig stabiler.

Neue Landesregierung stellt Weichen für das Handwerk

Dass das so bleibt, sollte unser aller Ziel sein. Das erkennt nun auch die Politik und reagiert. So hat die neue Koalitionsvereinbarung der bayerischen Landesregierung einiges für das Handwerk vorgesehen: Mittelstand und Handwerk sollen als Säulen der Wirtschaft unterstützt und von unnötiger Bürokratie entlastet werden. Ein Fachkräfteprogramm soll qualifizierte Mitarbeiter bringen, die duale Berufsausbildung verbessert und der Meistertitel gestärkt werden. So wird beispielsweise der Meisterbonus von 1.500 Euro auf 2.000 Euro erhöht. Diese Unterstützung ist bitter nötig, denn der handwerkliche Mittelstand steht vor einer riesigen Herausforderung: zu wenig Personal und etliche Betriebe, die einen Nachfolger suchen.

Im Moment spricht man viel über das Handwerk, es ist als Wirtschaftsmacht anerkannt. Bringt man diese Tatsache mit dem Thema Fachkräftemangel zusammen, bleibt nur eines zu sagen: "Man muss das Eisen schmieden, so lange es heiß ist." Alle Handwerksunternehmer und-organisationen dürfen jetzt nicht nachlassen, die junge Generation zu begeistern und für die Wirtschaftsgruppe Handwerk zu werben.