Schornsteinfegergeselle Rahmatullah Haidari mit seinem Ausbilder und Chef Christian Linz.
Melanie Feldmeier Fotografie
Absolvierte vor kurzem seine Ausbildung als Schornsteinfeger mit Erfolg und freut sich auf seine weitere Zukunft in Deutschland: Der 21-jährige Rahmatullah Haidari (re.) aus Afghanistan mit seinem Chef und Ausbilder, Bezirksschornsteinfegermeister Christian Linz.

Dankbar für die Chance, die er hier bekam

Im Gespräch mit Schornsteinfeger Rahmatullah Haidari aus Mainburg im Landkreis Kelheim

Im Alter von 16 Jahren traf Rahmatullah Haidari eine lebensverändernde Entscheidung. Der gebürtige Afghane, der mit seiner Familie vor dem Krieg in seiner Heimat in den Iran floh, entschied sich schweren Herzens seine Familie zu verlassen und nach Europa zu gehen - in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Rückblickend sagt Rahmat, wie ihn jeder nennt, dass nicht nur der Weg nach Europa beschwerlich war, auch der Weg hier in Deutschland sei nicht einfach gewesen. Doch er kämpfte. Und das erfolgreich: Vor kurzem schloss der mittlerweile 21-Jährige seine Gesellenausbildung als Schornsteinfeger mit sehr gutem Ergebnis ab.

Hatte nur das Ziel vor Augen

Rahmat ist dankbar und glücklich über die Perspektiven, die ihm seine Handwerksausbildung ermöglichte. Denn: "Als Afghane hast du keine Chancen im Iran." Das war auch der Grund, weshalb sich der junge Mann auf die Flucht begab. 25 Tage war Rahmat unterwegs. Größtenteils zu Fuß durchquerte er die Türkei, von dort aus ging es auf einem Schlauchboot nach Griechenland. Wo genau er war, wusste er oft nicht. Er habe nur sein Ziel vor Augen gehabt, das zu Beginn seiner Flucht Schweden war: "Freunde von mir lebten dort." Dafür durchquerte er Mazedonien, Ungarn und Österreich, bis er schließlich Passau erreichte. Dort wurde zum ersten Mal sein Pass kontrolliert und seine Flucht nahm ein Ende. "Sie ließen mich als unbegleiteten, minderjährigen Flüchtling nicht weiterziehen." Er kam in ein Heim für junge Geflüchtete, von dort aus schließlich nach Mainburg in ein betreutes Wohnheim. " Ich wollte endlich ankommen, endlich arbeiten, lernen und mir ein Leben aufbauen", erzählt Rahmat. Da er schon immer gerne mit seinen Händen arbeitete, vermittelten ihm die Betreuer im Wohnheim Praktika bei verschiedensten Betrieben. Unter anderem bei einer Gärtnerei, einem Parkettlege- und Maurerbetrieb. Doch erst das Praktikum als Schornsteinfeger machte ihm rundum Spaß. Als ihn dann noch ein Schornsteinfegerbetrieb in Langquaid, Landkreis Kelheim, als Auszubildenden einstellen wollte, war Rahmat überglücklich.

Die Ausbildung gab ihm Perspektiven

Dennoch sei das Leben in Deutschland anfangs nicht leicht für den jungen Afghanen gewesen. Denn trotz Ausbildungsvertrag, musste Rahmat lange auf die Aufenthaltsgenehmigung warten. Auch die Sprache war zu Beginn eine Herausforderung: "Ich konnte ja nicht richtig Deutsch. Vor allem beim Bayerischen tat ich mich schwer", lacht der 21-Jährige heute. Doch sein Umfeld habe ihm sehr geholfen und ihm viel beigebracht. Nach einem Jahr schon hatte er das sogenannte B1-Level erreicht, also Deutsch auf einem sehr guten, soliden Niveau. "Nur bei den Fachbegriffen haperte es öfter mal", sagt Rahmat rückblickend. Hier war er auf seinen Chef und seine Kollegen angewiesen, die bestimmte Ausdrücke häufiger mit ihm wiederholen mussten. "Insgesamt hat mir die Schule und das Lernen aber sehr viel Spaß gemacht. Ich habe so schnell Anschluss und neue Freunde gefunden." Auch der Betriebsinhaber Christian Linz setzte sich für den Jungen stark ein. Auch privat, als Rahmat beispielsweise eine eigene Wohnung suchte. "Ohne Herrn Linz wäre es nicht gegangen. Er hat mir sehr geholfen. Wofür ich ihm sehr dankbar bin." So habe er sich immer angestrengt, auch um seinen Chef und Ausbilder nicht zu enttäuschen.

Klare Pläne und Wünsche für die Zukunft

Am meisten Spaß an seinem Beruf mache Rahmat, dass man als Schornsteinfeger immer Abwechslung habe. "Du triffst viele unterschiedliche Menschen und kommst mit vielen netten Leuten in Kontakt. Kein Tag ist wie der andere, du bist viel unterwegs." Schlechte Erfahrungen in puncto Kundenkontakt habe er während seiner Ausbildung im Großen und Ganzen nicht gemacht. "Klar gab es mal Leute, die mir gegenüber mit Vorbehalt aufgrund meiner Geschichte reagierten." Aber man dürfe nicht gleich jeden über einen Kamm scheren. Das wünsche er sich für sich selbst schließlich auch nicht. Für die Zukunft hat der junge Handwerker klare Pläne und Wünsche: "Ich möchte eine feste Stelle als Schornsteinfeger, am liebsten hier in der Nähe oder zumindest im südlichen Bayern. Dauerhaft möchte ich ein festes, geregeltes Einkommen, damit ich mir später mal mein eigenes Haus bauen kann. Ich wünsche mir einfach das, was sich Jeder wünscht: Glück und Zufriedenheit."



Eine Herausforderung die sich lohnt

Interview mit Rahmats Ausbilder, Bezirksschornsteinfegermeister und Betriebsinhaber Christian Linz

Herr Linz, Sie haben Rahmat zum Schornsteinfeger bei sich im Betrieb ausgebildet. Wie kam es dazu?

Rahmat wurde mir von einem Kollegen empfohlen. Ich war auf der Suche nach einem Auszubildenden und habe Rahmat zunächst ein Praktikum bei mir verschafft. Das mache ich immer bevor ich einen Azubi einstelle, um zu sehen ob es passt. Rahmat hat mich damals überzeugt. Er war fleißig und zuverlässig. Natürlich hat mich auch seine Geschichte berührt. So kam es, dass er mein Lehrling wurde. Auch, wenn er anfangs kein Deutsch konnte und ich Bedenken bezüglich des bürokratischen Aufwands hatte. Zudem wusste ich nicht wie meine Kundschaft reagieren würde. In vielen Köpfen sind Vorurteile leider noch fest verankert.

Bestätigten sich Ihre anfänglichen Bedenken?

Zu Beginn war es schon eine Herausforderung. Rahmat tat sich aufgrund seines fehlenden Deutschs vor allem bei handwerklichen Fachbegriffen schwer, was verständlich ist. Doch er war wissbegierig und engagiert. Das half. Von der Berufsschule hätte ich mir gewünscht, dass die Lehrkräfte dort noch mehr auf die Fachbegriffe eingegangen wären. Das hätte die Ausbildung erleichtert. Da besteht auf jeden Fall noch Bedarf zur Nachbesserung. Bezüglich meiner Kundschaft reagierte niemand wirklich negativ. Auch weil sie wahrscheinlich wissen, dass ich nur gute Leute einstelle.

Was sind aus Ihrer Sicht die Herausforderungen bei der Ausbildung junger Geflüchteter?

Der bürokratische Aufwand. Hier sollte unbedingt nachgebessert werden von Seiten der Behörden und Ämter. So könnte man die Ausbildung von jungen Geflüchteten für Betriebe attraktiver machen. Denn oft sind diese jungen Menschen hochmotiviert, sie wollen arbeiten und lernen. Auch für Rahmat war es nicht einfach. Beispielsweise mit dem Papierkram. Für einen deutschen Azubi wäre das schon schwer zu verstehen gewesen. So habe ich Rahmat bei Behördengängen begleitet, weil ich einfach auch persönlich wollte, dass es dem Jungen gut geht. Bei vielen Dingen wäre meiner Meinung nach die Bundesagentur für Arbeit stärker in der Pflicht gewesen. Dort zeigte man sich allerdings häufig wenig kooperativ. Ich hoffe sehr, dass sich das mittlerweile geändert hat.

Sind Sie froh, dass Rahmat bei Ihnen gelernt hat? Und würden Sie wieder einen jungen Geflüchteten ausbilden?

Auf beide Fragen definitiv „Ja“. Rahmat war ein engagierter, fleißiger Lehrbub. Er war absolut verbindlich. Was wir vereinbarten, galt. Er war motiviert und arbeitete hart. Er war nicht nur ein guter Lehrling, sondern auch eine wertvolle Kraft für meinen Betrieb die letzten Jahre. Ich würde ihn weiterbeschäftigen, wenn ich langfristig eine Stelle für ihn hätte. Ich bin mir allerdings sicher, dass er bald etwas Gutes finden wird. Wichtig ist meiner Meinung nach, dass der Charakter und die Arbeitseinstellung stimmen. Daher empfehle ich jedem Betrieb, einem potenziellen Azubi zunächst ein Praktikum anzubieten. Im gemeinsamen Arbeitsalltag zeigt sich der Charakter eines Menschen.



Ansprechpartner

Hans Schmidt
Stv. Hauptgeschäftsführer

Tel. 0941 7965-104
Fax 0941 7965-103
hans.schmidt--at--hwkno.de



Bildete Rahmat drei Jahre lang aus und freut sich über die Erfolge seines Lehrlings: Bezirksschornsteinfegermeister Christian Linz.
Melanie Feldmeier Fotografie
Bildete Rahmat (li.) drei Jahre lang aus und freut sich über die Erfolge seines Lehrlings: Bezirksschornsteinfegermeister Christian Linz.



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