Ein großes Lehrstellenangebot finden unter anderem angehende KFZ-Mechatroniker.
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Ein großes Lehrstellenangebot finden unter anderem angehende KFZ-Mechatroniker.

Chancen für Bewerber, Sorgen für Betriebe

Rückgang bei Ausbildungsverträgen im ostbayerischen Handwerk

30. August 2019

Die Lage am Ausbildungsmarkt im Handwerk ist für Bewerber so gut wie nie, für Betriebe aber ist sie eine Herausforderung - das zeigen die aktuellen Daten der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. 5.127 Jugendliche starten im neuen Ausbildungsjahr 2019 eine Lehre im ostbayerischen Handwerk. Das sind 4,6 Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahr. Auf einen Bewerber kommen in Bayern laut Statistik der Agentur für Arbeit aktuell 3,5 freie Lehrstellen. "Wir haben einen sehr bewerberfreundlichen Markt", sagt Hans Schmidt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Für die Betriebe sei die Situation - trotz einer sehr guten Geschäftslage - aber weniger glücklich: "Um geeigneten Nachwuchs zu finden, müssen sich die Betriebe aus der Menge der Arbeitgeber hervortun."

Freie Ausbildungsplätze in fast allen Berufen

In der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer sind ostbayernweit Ende August 1.334 freie Ausbildungsplätze quer durch alle Berufe und Regionen gemeldet. Die meisten freien Stellen gibt es in den Berufen Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Elektroniker Metallbauer, Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk, Maurer und Kfz-Mechatroniker. "Interessant ist, dass die Bereiche mit dem größten Bedarf fast deckungsgleich mit den ausbildungsstärksten Berufen sind", so Schmidt. Für Jugendliche bedeutet das: "Auch nach dem offiziellen Start ins Ausbildungsjahr ist es noch möglich, im jeweiligen Traumberuf durchzustarten."

Stärken kommunizieren gegen Konkurrenzdruck

Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist hoch, doch haben sie mit verschiedenen Herausforderungen zu kämpfen: "Ostbayern ist demografisch bedingt besonders von rückläufigen Schulabgängerzahlen betroffen", weiß Hans Schmidt. Gleichzeitig sei der Konkurrenzdruck sehr hoch - ob durch andere Branchen, weiterführende Schulen oder Studium. "Um sich zu behaupten, müssen die Handwerksbetriebe den Jugendlichen und ihren Eltern aufzeigen, warum sich eine Ausbildung ausgerechnet bei ihnen lohnt", rät er. Auftrumpfen könne das Handwerk mit vielen Vorteilen, darunter erfüllendes und innovatives Arbeiten, ein persönliches Umfeld, eine Arbeitsstelle in Heimatnähe oder sehr gute Verdienstmöglichkeiten. Unterstützung für ein gelungenes Ausbildungsmarketing bekommen die Betriebe durch Nachwuchs- und Imagekampagnen des Handwerks und gezielte Aktionen der Handwerkskammer.

Handwerk verbessert sein Image

Mit Blick in die Zukunft äußert sich die Handwerkskammer optimistisch: "Die berufliche Bildung und das Handwerk gewinnen weiter an Wertschätzung", so Hans Schmidt. Das zeige sich auch anhand von mehr Auszubildenden mit mittlerer Reife oder Abitur. Erstere machen ein Drittel der Lehrlinge aus, Hochschulreife haben neun Prozent. Mit über 130 Berufen und zahlreichen Weiterbildungsangeboten ermöglicht das Handwerk jedem Talent eine berufliche Zukunft. Beispielsweise als selbstständiger Unternehmer: In den kommenden zehn Jahren suchen 11.000 Handwerksbetriebe in Ostbayern einen Nachfolger.



Stv. Hauptgeschäftsführerer Hans Schmidt Foto Graggo

Hans Schmidt

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