Unternehmer der Region, die beiden Wirtschaftskammern, IHK Niederbayern und Handwerkskammer, trafen sich mit dem Europaabgeordneten und EVP-Fraktionsvorsitzende Manfred Weber, um über Konsequenzen des Brexit zu sprechen.
Büro Manfred Weber
Unternehmer der Region, die beiden Wirtschaftskammern, IHK Niederbayern und Handwerkskammer, trafen sich mit dem Europaabgeordneten und EVP-Fraktionsvorsitzende Manfred Weber, um über Konsequenzen des Brexit zu sprechen.

Brexit: Unternehmen sorgen sich um Freizügigkeit

Unternehmer und Kammern trafen sich mit Europaabgeordneten Manfred Weber

Eine Exportregion wie Niederbayern beobachtet mit Sorge die Entwicklungen um die laufenden Brexit-Verhandlungen, droht damit doch ein großer Markt für die niederbayerische Wirtschaft verloren zu gehen. Aus diesem Grund hat sich der niederbayerische Europaabgeordnete und EVP-Fraktionsvorsitzende Manfred Weber mit Vertretern von Unternehmen, die in Großbritannien auf dem Markt sind, getroffen, ebenso mit den Repräsentanten von Handwerkskammer und IHK Niederbayern.

"Rund 500 niederbayerische Unternehmen sind in Großbritannien tätig, 60 unterhalten eine eigene Außenhandelsvertretung", berichtete der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner. Gerade im Automotive-Bereich, Maschinenbau und Konsumbereich seien diese Unternehmen in Großbritannien engagiert. Die niederbayerischen Handwerker würden laut Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Toni Hinterdobler vor allem bei Spezialtätigkeiten im Baubereich profitieren, mittelbar bestehe hohe Betroffenheit durch Zulieferbetriebe. "Handwerkliche Leistungen bayerischer Unternehmer sind in Großbritannien gefragt, allerdings nur, wenn dort die Wirtschaft funktioniert und man sich bayerische Dienstleistungen leisten kann." Insgesamt seien bayernweit im Jahr 2016 rund 15 Milliarden Euro von Bayern nach Großbritannien exportiert worden.

Künftiges Arbeiten in Großbritannien wirft Fragen auf

Größte Sorge bereite dabei den niederbayerischen Unternehmen die Frage der Freizügigkeit, also ob sich die Mitarbeiter schnell und ohne großen bürokratischen Aufwand nach Großbritannien begeben und dort ihrer Arbeit nachgehen können. Hinzu komme noch die Frage der sozialen Absicherung von Mitarbeitern, die auf der Insel tätig sind und die Sorge, dass für Produkte, die künftig nach Großbritannien geliefert werden sollen, eigene Normierungen und Zulassungsverfahren gelten würden. Das würde niederbayerische Produkte wesentlich verteuern. Unsicherheitsfaktoren sind aktuell künftige Zölle und Währungsschwankungen.

Manfred Weber, der eine knappe Woche zuvor mit der britischen Premierministerin Theresa May die Austrittsverhandlungen besprochen hat, betonte, dass niemand den Brexit wollte, man nun aber mit den Konsequenzen umgehen müsse. Dabei sei ihm bei den Gesprächen einerseits wichtig zu versuchen, den Schaden für die Wirtschaft möglichst niedrig zu halten. Er macht aber auch klar: "Die Stärke unserer niederbayerischen Wirtschaft ist durch den EU-Binnenmarkt begründet. Deshalb muss deutlich sein: Wer den Club verlässt, kann nicht die gleichen Spielregeln wie seine Mitglieder haben."

Unsicherheit bei Unternehmen

Er teilte die große Sorge der niederbayerischen Unternehmer, dass die Stabilität der britischen Wirtschaft unter den Brexit-Verhandlungen leide und nach einem EU-Austritt sogar einbreche. "Wir erleben eine hohe Unsicherheit bei den Kunden", sagte Alexander Schreiner. Und auch die Aussichten der Wirtschaft werden schlechter bewertet, als die aktuelle Lage. Diese Unsicherheit spiegelt sich bei den niederbayerischen Unternehmern wider, denn "Handwerk und Wirtschaft braucht Rechtssicherheit", sagte Toni Hinterdobler. Momentan könne sich kein Unternehmer auf die Nach-Brexit-Zeit vorbereiten. Umso wichtiger sei das von Manfred Weber ausgesandte Signal: "Wir wollen einen ungeregelten Zustand vermeiden."