Im Alter abgesichert: Je früher man sich um seine finanzielle Lage in der Rente kümmert, desto besser.
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Im Alter abgesichert: Je früher man sich um seine finanzielle Lage in der Rente kümmert, desto besser.

Altersvorsorge: Wie sichere ich mich für die Zukunft?

Interview mit Andreas Keller, Leiter der Beratung bei der Handwerkskammer

Früher an später denken - so lautet die Devise beim Thema Altersvorsorge. "Je früher man sich um seine finanzielle Absicherung nach dem Berufsleben kümmert, desto besser ist das", sagt Andreas Keller, Bereichsleiter Beratung bei der Handwerkskammer Denn: Wer nicht richtig vorsorgt, riskiert Altersarmut - auch der einstige erfolgreiche Handwerksunternehmer. Andreas Keller im Interview mit der Deutschen Handwerkszeitung (DHZ):

Angenommen, ich habe jahrelang einen gut laufenden Handwerksbetrieb geführt. Nun möchte ich mich zur Ruhe setzen und verkaufe mein Unternehmen. Bin ich mit dem Erlös nicht ausreichend versorgt?

Andreas Keller: "Die Nachfrage regelt den Preis und der Verkaufserlös fällt oft nicht wie gewünscht oder benötigt aus. Je nach geografischer Lage des Unternehmens und der jeweiligen Branche kann er unterschiedlich sein. Das muss ein Unternehmer im Blick haben. Auch die allgemeine konjunkturelle Lage spielt dabei eine Rolle - und wer kann dazu schon in die Zukunft sehen? Alternativ kann es sinnvoll sein, seinen Betrieb zu verpachten. Aber egal, welche Variante man wählt: Unternehmer sind gut beraten, zudem auf andere Vorsorgesäulen zu bauen. Wer sich selbst und seinem Nachfolger einen Gefallen tun möchte, sollte sich nach Möglichkeit eine Altersversorgung außerhalb des Unternehmens aufbauen.

Wie hoch sollte denn meine finanzielle Absicherung im Alter idealerweise ausfallen?

Andreas Keller: "Eine pauschale Antwort darauf gibt es nicht - die eigene Altersvorsorge ist individuell und höchst unterschiedlich. Die erste und zentrale Frage ist: Wie viel Geld benötige ich im Alter? Ein guter Tipp ist, sich zusammenzustellen, wie viel man heute zum Leben braucht. Davon ausgehend kann man die Lebenshaltungskosten im Ruhestand planen. Eingerechnet werden müssen beispielsweise: Lebenshaltungskosten, soziale Absicherung, Kosten für Haus oder Wohnung, Fahrzeugkosten und weiter Ausgaben wie etwa das Handy oder Steuern. Zudem sollte man die Versorgungslücke aufgrund der aktuellen Niedrigzinsphase und die Inflation beachten. Beispielsweise müsste ein heute 30-Jähriger, der mit 67 Jahren in den Ruhestand geht und eine Rente mit der Kaufkraft von heute 1.500 Euro zur Verfügung haben möchte, dann knapp 4.200 Euro bekommen.

Wie regele ich meine Krankenversicherung in der Rente?

Andreas Keller: Es gibt für Unternehmer die freiwillige gesetzliche oder die private Krankenversicherung. In der Rente gibt es die Krankenversicherung der Rentner. Hierfür muss man allerdings in der zweiten Hälfte des Erwerbslebens 90 Prozent der Zeit in der gesetzlichen versichert gewesen sein. Der Unterschied ist, dass hier bei der Berechnung des Beitrags nur die Rente, Versorgungsbezüge und Erwerbseinkommen herangezogen werden, während bei der freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung alle Einnahmen herangezogen werden. Wenn ein Unternehmer privat versichert ist und eine Rückkehr zur gesetzlichen nicht möglich, kann man eine Leistungsreduzierung oder Selbstbehalte andenken.

Als selbstständiger, eingetragener Handwerksmeister zahle ich in die Handwerkerpflichtversicherung ein - wie sinnvoll ist das?

Andreas Keller: Die Befreiung von der Versicherungspflicht ist möglich, wenn mindestens 18 Jahre Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt wurden. Allerdings ist das nur sinnvoll, wenn man sich privat ausreichend absichern kann. Außerdem gilt es zu beachten, dass man unter Umständen auch noch einen Schutz gegen Erwerbsunfähigkeit in der gesetzlichen Rentenversicherung genießt, den man sich ansonsten teuer erkaufen müsste. Insgesamt reicht die Versorgung aus der gesetzlichen Versicherung meist nicht für das Alter aus, kann aber immerhin ein Grundstock sein.

Welche private Vorsorge macht für mich als Unternehmer Sinn?

Andreas Keller: Die ausgewählten Varianten der privaten Vorsorge hängen von der persönlichen Lebenssituation ab - eine Pauschallösung gibt es nicht. Was jedoch unumstritten ist: Je früher begonnen wird in eine Form einzuzahlen, desto besser. Möglich sind beispielsweise Riester oder Rürup, die unter anderem Steuerersparnisse bringen. Auch in Kaptalmarktprodukte oder Immobilien zu investieren, kann sich lohnen. Am besten lässt man sich von einem unabhängigen Anlageberater individuell beraten.

Welche generellen Punkte sollte man bei der privaten Altersvorsorge beachten?

Andreas Keller: Anlageformen am besten streuen - so kann man das Risiko minimieren. Auch die Laufzeiten sollte man realistisch ansetzen. Wenn man bis kurz vor Rentenbeginn in Aktien investiert hat, die bekanntermaßen erheblich im Kurs schwanken können, kann es sein, dass man genau zum ungünstigsten Zeitpunkt verkaufen muss. Deshalb gilt: Je näher der Renteneintritt kommt, desto sicherer sollte der Schwerpunkt der Geldanlagen sein. Vorsicht ist immer geboten, wenn einem überdurchschnittliche Steuerersparnisse und Traumrenditen versprochen werden. Da sollte man hellhörig werden und besser die Finger davon lassen. Auch vom Sparen auf Kredit kann ich nur abraten.





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