Kursausfall
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Corona-Pandemie: Folgen für das Prüfungswesen im Handwerk

Die Handwerkskammer hat alle Kurse und Prüfungen bis einschließlich 19. April 2020 ausgesetzt.

Aussetzung aller Kurse und Prüfungen bis 19. April 2020

Auf Grund der Schließung der gesamten Schulen in Bayern werden alle Kurse und Prüfungen der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz ab Montag, den 16. März 2020 bis einschließlich Sonntag, 19. April 2020 ausgesetzt.

Alle Lehrlinge haben in ihren jeweiligen Ausbildungsbetrieben zu erscheinen.



Corona-Pandemie und die Folgen für das Prüfungswesen im Handwerk

Die Corona-Pandemie hat sich in Deutschland mit großer Dynamik ausgebreitet und zu weitgehenden Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung geführt. Schulen und sonstige Bildungseinrichtungen sind bundesweit temporär geschlossen worden. Aus der Absage bzw. Verschiebung von Prüfungsterminen ergeben sich Fragen, die im Folgenden bedarfsorientiert beantwortet werden sollen. Damit möchten wir Auszubildenden und Ausbildungsbetrieben sowie Teilnehmern an Meister- und Fortbildungsprüfungen erste Handlungsleitlinien an die Hand geben. Wir möchten zugleich darauf hinweisen, dass sich folgende Fragen und Antworten in einem offenen Entwicklungsstadium befinden, die aufgrund neuer Erkenntnisse angepasst werden können. (Aktueller Stand: 1. April 2020)



I.Vollständige Absage von Prüfungsterminen (derzeit bis zum 19.04.2020)

1. Was geschieht, wenn ein Prüfungstermin abgesagt werden muss?

Wir sind bemüht, abgesagte Prüfungstermine so schnell wie möglich nachzuholen, sofern dies praktisch möglich und nicht durch behördliche Anordnungen ausgeschlossen ist.

Während der noch andauernden Pandemie ist die Durchführbarkeit von Prüfungen u. a. aus den folgenden Gründen nicht gegeben:

  • Menschansammlungen sind aus Infektionsschutzgründen grundsätzlich verboten.
  • Gebäude, in denen die Prüfungen durchgeführt werden, können nicht genutzt werden und alternative Räumlichkeiten stehen nicht zur Verfügung.
  • Aufgrund von Krankheit oder Quarantänemaßnahmen steht keine ausreichende Zahl von Prüfenden zur Verfügung.
2. Ab wann dürfen Prüfungen wieder durchgeführt werden?

Dies lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht vorhersagen. Grundsätzlich ist auch in der Zukunft von allen prüfenden Stellen eine angemessene Risikobewertung im Hinblick auf den Infektionsschutz der an der Prüfung beteiligten Personen und der allgemeinen Bevölkerung vorzunehmen und landesspezifischen Regelungen sowie allen behördlichen Anordnungen Folge zu leisten. Aktuell beabsichtigt die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, Prüfungen nach dem 19. April wie geplant durchzuführen und abgesagte Prüfungstermine spätestens ab Juni 2020 nachzuholen. 
Über die tatsächliche Durchführung von Prüfungen nach dem 19. April 2020 kann jedoch erst zu diesem Zeitpunkt entschieden werden. Bei Prüfungen nach dem 19. April 2020 empfehlen wir daher, sich auf diese Prüfungen vorzubereiten. Wir werden die neuen Termine bekannt geben, sobald sich die Risikoeinschätzung rund um die Corona-Pandemie wieder verbessert hat.

Die Termine für die Gesellen- und Abschlussprüfungen finden Sie in den folgenden Terminübersichten:
Schriftliche Prüfungstermine Sommer
Schriftliche Prüfungstermine Winter

Aktuelle Risikobewertungen des Robert-Koch-Instituts zum Coronavirus finden Sie hier.

3. Welche Auswirkungen hat die Verschiebung des Prüfungstermins auf das Berufsausbildungsverhältnis?

Sollte der Ersatztermin für die Prüfung nach Ende der Vertragsdauer eines Berufsausbildungsverhältnisses liegen, verlängert sich dieses nach dem Gesetz nicht automatisch bis zu dem Ersatztermin. Es liegt kein Fall des § 21 Absatz 3 BBiG (Nichtbestehen der Abschlussprüfung) vor.
Im Einzelfall kann eine Verlängerung des Ausbildungsvertragsverhältnisses nach § 27c Absatz 2 HwO/§ 8 Absatz 2 BBiG auf Antrag des/der Auszubildenden in Betracht kommen, wenn dargelegt wird, dass das Erreichen des Ziels der Berufsausbildung (Erwerb der beruflichen Handlungsfähigkeit) noch nicht erreicht worden ist. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn bereits vor dem entfallenden Prüfungstermin wesentliche Teile der Ausbildungszeit ausgefallen sind (z. B. wegen Quarantänemaßnahmen, Betriebsschließungen, Berufsschulschließung, Ausfall von ÜLU o. ä.).

4. Umgang mit gestreckten Prüfungen

Sofern Teil 1 einer gestreckten Prüfung aufgrund der aktuellen Pandemielage abgesagt werden muss, bleibt die Durchführung von Teil 2 der Prüfung davon grundsätzlich unberührt. Sofern es möglich ist, Teil 2 der Prüfung im üblichen Prüfungszyklus durchzuführen, wird die ausgefallene Teil 1-Prüfung entweder davor oder im zeitlichen Zusammenhang mit der Teil 2-Prüfung durchgeführt. Wenn es aus organisatorischen Gründen geboten ist, kann in dieser Sondersituation die Teil 1-Prüfung auch auf einen Zeitpunkt nach Durchführung des zweiten Prüfungsteils fallen. Die Zulassung zur Teil 2-Prüfung ist in diesen Fällen gem. § 36 a Absatz 3 Nr. 3 HwO rechtlich möglich.

5. Umgang mit Zwischenprüfungen

Sofern Zwischenprüfungen aufgrund der aktuellen Pandemielage abgesagt werden müssen, wird geprüft, ob eine Nachholung zu einem späteren Zeitpunkt noch möglich und sinnvoll ist. Im Ausnahmefall kann eine Zwischenprüfung ersatzlos entfallen.

 

II. Nach Wiederaufnahme der Prüfungen: Erkrankungen oder Quarantänemaßnahmen einzelner Prüfungsteilnehmer/innen

1. Was geschieht, wenn Prüfungskandidaten/innen mit dem Coronavirus infiziert sind?

In diesem Fall ist die Teilnahme an der Prüfung sowohl aus Infektionsschutzgründen als auch krankheitsbedingt ausgeschlossen. Es liegt damit ein wichtiger Grund für die Nichtteilnahme am Prüfungstermin vor, der unverzüglich mitzuteilen und durch ärztliches Attest nachzuweisen ist. Betroffene Personen sind gehalten, sich unverzüglich mit der prüfenden Stelle in Verbindung zu setzen.

2. Was geschieht, wenn ein Prüfungskandidat oder eine Prüfungskandidatin unter Quarantäne steht?

Die Teilnahme an der Prüfung ist aus Infektionsschutzgründen nicht möglich. Es liegt ebenfalls ein wichtiger Grund für die Nichtteilnahme an der Prüfung vor. Das unter 1. Gesagte gilt entsprechend.

Nach Genesung und Wegfall des Hinderungsgrundes ist der Prüfungstermin nachzuholen. Die Kosten trägt bei Auszubildenden in der Regel der Ausbildungsbetrieb. Sollten individuelle Prüfungsausfälle in erhöhter Zahl auftreten, sind wir bemüht, einen zeitnahen Wiederholungstermin anzubieten.

3. Können Prüfungskandidaten und Prüfungskandidatinnen aus Sorge vor einer Infizierung bei der Prüfung von dieser fernbleiben?

Nein, die Sorge vor einer möglichen Infektion ist kein anerkannter Rücktrittsgrund. Die prüfenden Stellen werden alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um Infektionsrisiken zu minimieren.
Nehmen Personen an einem Prüfungstermin nicht teil, ohne dass ein wichtiger Grund vorliegt, so wird die Prüfung mit 0 Punkten bewertet.

 

III. Zulassung zur Prüfung aufgrund von Corona-bedingten Versäumnissen

Kann eine Zulassung zur Prüfung erfolgen, wenn die Auszubildenden über einen längeren Zeitraum keinen Berufsschulunterricht erhalten haben und/oder der Ausbildungsbetrieb geschlossen war?

Grundsätzlich gilt § 36 Absatz 1 Nr. 1 HwO. Danach besteht ein Anspruch auf Prüfungszulassung, wenn die Ausbildungsdauer zurückgelegt worden ist oder diese nicht später als zwei Monate nach dem Prüfungstermin endet. Es kommt dabei nicht nur auf den zeitlichen Ablauf der Ausbildungsdauer an, sondern auch darauf, dass während der Ausbildungszeit die Ausbildung an beiden Lernorten tatsächlich stattgefunden hat. Auch die überbetriebliche Ausbildung ist dabei zu berücksichtigen.

Im Übrigen sind die Umstände des Einzelfalls bei der Prüfungszulassung zwingend zu berücksichtigen. So ist es beispielsweise möglich, dass Berufsschulunterricht über Lernplattformen erteilt worden ist, sodass der Ausfall des Präsenzunterrichts nicht in vollem Umfang als Fehlzeit zu werten ist.

Sind beide Parteien des Ausbildungsverhältnisses daran interessiert, die Ausbildung zu verlängern, um ausgefallene Ausbildungszeit nachzuholen, sollten sie bei der Handwerkskammer einen entsprechenden Antrag stellen.



 Ansprechpartner Kurse allgemein

Wolfgang Reif
Bereichsleiter Berufsbildung

Tel. 0941 7965-116
Fax 0941 7965-221
wolfgang.reif--at--hwkno.de



 Ansprechpartner Prüfungswesen

Christian Kaiser
Stv. Bereichsleiter

Tel. 0851 5301-134
Fax 0851 5301-281134
christian.kaiser--at--hwkno.de

Florian Lang
Abteilungsleiter

Tel. 0941 7965-134
Fax 0941 7965-281134
florian.lang--at--hwkno.de